Juso-Sommerschule: die weiteren Tage

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch endete für die Jusos Baden-Württemberg eine besondere Ära. Zum 1. September endete die vierjährige Amtszeit des Juso-Landesgeschäftsführers Klaus Eckert. Mit minutenlangem Applaus bedankten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Juso-Sommerschule bei Ihrem „Landes-Klaus“ für die geleistete Arbeit. Genau vier Jahre zuvor hatte am selben Ort Klaus Eckerts Amtzeit begonnen. Damals hatte er als Nachfolger von Jürgen Graner die Stelle des Juso-Landesgeschäftsführers angetreten.

 Am Dienstag Abend waren die Jusos aus dem nahe gelegenen Moncao heimgekehrt, welches Ziel eines Abendausflugs war.

Nachdem die vorhergehenden Tage inhaltlich voll gepackt waren stand am Mittwoch zur Abwechslung ein Tagesausflug in die Region auf dem Programm. Nach einem Besuch im mittelalterlichen Städtchen Saint Paul ging es weiter nach Antibes mit der Möglichkeit zum Besuch des Hafens oder des Marktes. Danach ging es nach Cannes, wo viele Jusos am Sandstrand den Nachmittag verbrachten.

Nach der Rückkehr und dem Abendessen widmeten sich die Jusos wieder der Bildungspolitik- diesmal dem Bereich „Inklusion“. Auf ein Referat folgte noch eine ausführliche Diskussion.

Der heutige Donnerstag Vormittag stand ganz im Zeichen der Landtagswahl 2011. In vier Workshops planten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kreative Wahlkampfaktionen zu verschiedenen Themen. Was genau  wird an dieser Stelle nicht verraten ;-)

Nach dem Mittagessen folgte ein Themenblock „Rhetorik/gewinnbringend argumentieren“. Danach entspannten die Jusos am Strand.

Der heutige Donnerstag ist bereits der letzte Abend. Zum Abschluss wird gegrillt. Als einhelliges Fazit aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer lässt sich bereits festhalten, dass die Sommerschule eine tolle Erfahrung war und wieder viel zu schnell vorbei ging.

Am morgigen Freitag finden nach dem Frühstück Workshops zum Thema „Lebenslanges Lernen“ statt. Gegen Nachmittag geht es dann für die fast 40 Jusos wieder zurück in Richtung Heimat.

Fabian Rothfuss (Stellv. Juso-Landesvorsitzender)

Den Streit um Stuttgart 21 als Chance nutzen

Die SPD in Baden-Württemberg schreitet bei Stuttgart 21 derzeit Seit an Seit mit den politischen Gegnern von der FDP und CDU und widerspricht dabei den Positionen von Naturfreunden, dem BUND, dem Verkehrsclub, ProBahn, den Gewerkschaften und auch ihrem eigenen Nachwuchs von den Jusos.

Es verwundert dann nicht, dass die SPD wie keine andere Partei unter der Diskussion ob des Für und Wider zu S21 leidet. So sind Mitglieder und AnhängerInnen in der Frage gespalten. Die Partei befindet sich derzeit stark in der Defensive und in einem Dilemma. Gerade was die eigenen Ansprüche aus der Wahlkampfcharta im konkreten Projekt bedeuten. Daraus gibt es aber auch einen Ausweg mit dem wir aus der Schwäche in der Kontroverse um S21 vielleicht sogar eine Stärke machen können. Weil inhaltlich zu S21 schon viel zu finden und viel diskutiert ist werde ich mich im Folgenden auf diesen Punkt konzentrieren.

Unser Land und seine Menschen sind in vielem längst weiter“ – SPW BW, Wahlkampfcharta

Beschlüsse und Meinungen fällen wir stets in der Gegenwart und der Überzeugung das Beste für die Zukunft zu tun. Doch wir leben in einer sich stetig weiterentwickelnden Gesellschaft in der sich sowohl das Wissen als auch die Realität weiter entwickelt. Angesichts dessen ist es in der Politik ein völlig normaler Prozess, seine Positionen zu verbessern und mitunter auch etwas anderes oder gar widersprüchliches zu Vergangenem zu beschließen. Die SPD hat das bei der Atomkraft, der Ausgestaltung der Leiharbeit oder auch gerade in Stuttgart bei der Rekommunalisierung der Wasserversorgung getan. Und sie hat damit das Richtige getan.

Wir greifen auf, was die Menschen bewegt“ – SPD BW, Wahlkampfcharta

Im Gegensatz zu blinden Durchhalteparolen ist das Ändern von Haltungen keineswegs wie von vielen befürchtet eine Schwäche und nur als Zeichen zu werten, dass man das Fähnchen im Wind sei. Nein, das Weiterentwickeln von Positionen ist vor allem eine Chance. Denn es ist auch Stärke und Souveränität von Nöten, um möglicherweise gemachte Fehler einzugestehen und zu korrigieren. Es zeugt auch davon Regierungsverantwortung übernehmen zu können, wenn man die Sorgen und Nöte der Menschen beständig ernst nimmt und nicht diese ignorierend etwas blind durchzieht. Dafür ist sowohl Stärke, als auch Selbstvertrauen nötig. Denn es ist leider nicht selbstverständlich bei kontroversen Themen wie bspw. Stuttgart 21, bei denen eine Partei durch eine Positonsänderung scheinbar nur Schaden nehmen kann, mutig den Dialog mit den Menschen zu suchen und dabei zum Lernen und zu Konzessionen bereit zu sein. Oder wie es unser Parteivorsitzender Sigmar Gabriel gefordert hat: Da hinausgehen, wo es brodelt!

Anders als unsere politischen Gegner nehmen wir die Wählerinnen und Wähler ernst.“ – SPD BW, Wahlkampfcharta

In unserer repräsentativen Demokratie haben die Parteien aus unserer Erfahrung heraus eine zu Recht starke Stellung erhalten. Nie aber dürfen PolitikerInnen vergessen, dass der Souverän immer noch das Volk ist. Auch wenn Entscheidungen demokratisch von Parlamenten getroffen wurden und ein rechtsverbindlicher BürgerInnenentscheid (im Gegensatz zu einer aber wenigstens moralisch und damit praktisch bindenden BürgerInnenbefragung) nicht mehr möglich ist. Denn wenn eine politische Frage die Bevölkerung so spaltet und eine von RepräsentantInnen getroffen Entscheidungen so viele Menschen so verärgert sind, dass sie zu Zehntausenden im stärksten Regen – im nicht gerade als linksradikaler Hochburg bekanntem Stuttgart – auf die Straße gehen und fordern die Entscheidung dem Volke zu überlassen, dann müssen gerade wir als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten mit dem Anspruch eine Volkspartei zu sein und aus unserer langen demokratischen Tradition heraus uns dem anschließen.

Deshalb stehen wir für eine Politik, die erst mal zuhört, statt immer nur zu bestimmen.“ – SPD BW, Wahlkampfcharta

Deswegen kann unsere Reaktion nur sein, einen Abrissstopp, eine möglichst objektive Gegenüberstellung der realistischen Optionen und eine BürgerInnenbefragung zu fordern. Denn wenn Stuttgart 21 so gut und alternativlos ist, wie manche meinen, dann wird es sich mit Sicherheit auch durchsetzen. Und wenn nicht, dann eben nicht. Gewinnen wird das bessere Vorhaben, das die beste Legitimation erhält, die Demokratie in die neues Vertrauen gesetzt und nicht zerstört wird und schließlich auch die Stadt, das Land und unsere Partei, die nicht über Jahre hinweg gespalten werden.

Als Sozialdemokratische Partei können wir aber noch viel mehr gewinnen, denn „Wir wollen nicht nur einen anderen Stil in der Politik im Land, wir setzen ihn auch in unserem Wahlkampf um. Die Menschen in Baden- Württemberg werden dies honorieren. Denn wir sind die Einzigen, die ihnen mit Substanz begegnen – also mit Respekt.“ (Wahlkampfcharta) Lasst uns schlicht danach handeln, Größe zeigen und diese Chance nutzen.

Raimund Kaiser

Landeskoordinator der Juso-Hochschulgruppen

Erster Bericht von der Juso-Sommerschule

Seit Sonntag Mittag findet wieder die Sommerschule der Jusos Baden-Württemberg in Eze sur Mer an der Côte d’Azur statt. Fast 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erleben im Eurocamp der Transnet eine perfekte Mischung aus Politik, Sonne und Strand. Zum inhaltlichen Programm gehören verschiedenste Felder der Bildungspolitik und landespolitische Themen.

Nach einer Busfahrt in der Nacht von Samstag auf Sonntag und der ersten Eingewöhnung bei sommerlichen Temperaturen begann nach dem Abendessen das inhaltliche Programm mit einem Referat über das deutsche Bildungssystem im Wandel der Zeiten.

Der gestrige Montag begann mit einem Referat zur frühkindlichen Bildung. Anschließend widmeten sich die Jusos den Bildungssystemen im internationalen Vergleich. In vier Workshops wurden die Schulsysteme in Finnland, Frankreich, Großbritannien und Ungarn diskutiert und miteinander verglichen.

Auf einer kurzen Erholungsphase am Strand folgte dann ein Referat über den Bologna-Prozess mit anschließender Diskussion.

Nach dem Abendessen klang der Tag mit einem Abendausflug ins nahe gelegene Nizza aus.

Das Programm am heutigen Dienstag begann mit der Landespolitik. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer widmeten sich in drei Workshops den Themen Innen-, Eneergie- und Verkehrspolitik.

Nach dem Mittagessen wird die Präsentation der Ergebnisse stattfinden. Danach folgt ein Referat zur beruflichen Bildung.

Fabian Rothfuss (Stellv. Juso-Landesvorsitzender)

Gute Bildung und Ausbildung statt Begrüßungsgelder für EinwandererInnen

„Die CDU will mehr ausländische Facharbeiter nach Deutschland holen.“ Diese Schlagzeile konnte man in den letzten Tagen häufig in Internetportalen und Tageszeitungen lesen. Gleichzeitig werden dieses Jahr wieder mehrere tausend Jugendliche keinen Ausbildungsplatz bekommen. Richtigerweise ist nach Jahren erbittertem Widerstand auch in der CDU klar geworden: Deutschland braucht Zuwanderung, Deutschland muss sich öffnen.

Die CDU jedoch macht statt zwei richtigen Schritten nach vorne, nur einen halbherzig. Um das Image einer modernen CDU aufzuwerten, bedient die CDU dieses Image mit vielen teuren Geschenken. Anstatt in anständige Ausbildung und Bildung aller Kinder in unserem Land zu investieren, sprechen sie von Begrüßungsgeldern für EinwandererInnen und steuerbaren Einwanderungsquoten. Den konsequenten Schritt, allen Kinder in unserem Land eine gute Bildung mit und ohne Migrationshintergrund zu ermöglichen, verweigert sich die CDU jedoch.

Auf dem Bildungsgipfel der Jusos Baden-Württemberg am 31. Juli und 1. August 2010 haben über 75 Jusos in entspannter Atmosphäre über eben diese Themen diskutiert: Wie stellen wir uns gute Bildung vor? Was muss sich ändern in der frühkindlichen Bildung, in den Schulen, in der Ausbildung, im Studium? Wie ermöglichen wir allen Menschen einen möglichst großen Bildungserfolg?

Aktuell sieht die Situation so aus, dass mehr SchülerInnen die Schule ohne Abschluss verlassen als es sowohl der deutschen Gesellschaft, Wirtschaft und den Sozialsystemen zuträglich ist. Was sich ändern muss? Die Arbeitsgruppen zu den Themen waren sich meist einig: Der Kindergarten oder die Kindertagesstätte muss mehr sein als Vorschule und Abstellplatz für die Kinder, die Kinder müssen Kinder sein dürfen und sich frei entfalten können.

Die Schule muss mehr sein als in 45-minütige Happen verpacktes Wissen, dass die SchülerInnen bitte einheitlich zu schlucken und gleichzeitig verdaut haben müssen. LehrerInnen müssen wieder als dass ernst genommen werden, was sie eigentlich sind: PädagogInnen, WegbegleiterInnen und WegbereiterInnen für Kinder und Jugendliche.

Das Studium muss mehr sein als das Umherirren von einer Prüfung zur anderen, mehr als Vorträge in überfüllten Hörsälen vor zu wenigen Professoren. Die Ausbildung muss auf die individuellen Bedürfnisse der Azubis und Azubinen eingehen können und Perspektiven für eine Zukunft im Betrieb bieten.

Andere Länder und sogar Schulen im eigenen Land machen vor, wie es richtig gehen kann. Doch leider ist die Botschaft in den Köpfen vieler CDU-PolitikerInnen nicht angekommen: Ein bisschen Werkrealschule macht noch lange nicht mehr Jugendliche mit Realschulabschluss, Studiengebühren machen keine erstklassigen Universitäten. Investitionen in Bildung: Fehlanzeige.

Im Wahlkampf müssen wir den Wählerinnen, aber auch den eigenen GenossInnen klar machen, dass nur mit einem anständigen Bildungskonzept, bei der kein Kind auf der Strecke bleibt, kategorisiert oder aussortiert wird, der Wirtschaftsstandort Deutschland und der „Wissensstandort“ Deutschland erhalten bleiben kann. Dass Investitionen in mehr KiTa-Plätze sinnvoller sind als Begrüßungsgelder. Ganz zu schweigen, welches Verständnis von Migration dieses Begrüßungsgeld zu Grunde liegt. Ein herzlich, offenes Empfangen kann man sich kaum mit ein paar Euros erkaufen…

Johanna Oswald,
stellvertretende Juso-Landesvorsitzende

Diashow: CSD 2010 in Suttgart

Parteispenden: CSU und FDP: Flop. SPD und Grüne: Top.

Vereinheitlichung und Quotenregelung: wer ist Person X?

Heute ein kleines Spiel: wer ist Person X? In einem Interview äußert sich gesuchte Person X wie folgt:

In der Eurokrise hat sich das Bild von Angela Merkel gewandelt. Sie wird nicht mehr als Miss Europa wahrgenommen, die schwierige Kompromisse zustande bringt. Frau Merkel ist jetzt eher die Madame Non, die sich lange gegen Hilfen für Griechenland gesperrt hat. Ihr Handeln ist in manchen Staaten als hart und wenig nachvollziehbar empfunden worden. … Einen einheitlichen europäischen Mehrwertsteuersatz halte ich für überlegenswert. Er könnte wie in Deutschland bei 19 Prozent liegen. … Auf meinen Vorschlag sind auch ausdrücklich Quotenregelungen vorgesehen. Dieses Projekt kann der deutschen Verwaltung als Vorbild dienen. … Eine Quote für Migranten in der öffentlichen Verwaltung kann dazu beitragen, dass mehr qualifizierte Zuwanderer nach Deutschland kommen.

Person X beklagt also, dass Merkel die Griechenland-Hilfe nicht schneller auf den Weg gebracht hat; ihr Handeln würde als “hart und wenig nachvollziehbar” empfunden. Sie sei die “Madame Non”. Nun, das klingt ganz nach Sigmar Gabriel, nicht wahr? Ist Person X also Sigmar Gabriel, der sich verspätet mit Merkel-kritischen Tönen zu Wort meldet? Oder Oskar Lafontaine?

Weiter: Person X strebt einen “einheitlichen europäischen Mehrwertsteuersatz” an, der “wie in Deutschland bei 19 Prozent” liegen soll. Mh, schwierig – wer könnte das sein? Aus den Reihen der CDU gibt es immer wieder Vertreter, die einen einheitlichen Mehrwertsteuersatz fordern. Vielleicht ist Person X Friedrich Merz, der Steuerpapst der CDU?

Zudem hat Person X durchgesetzt, dass Quotenregelungen “ausdrücklich” vorgesehen sind. Eine “Quote für Migranten in der öffentlichen Verwaltung” hält Person X für wünschenswert, weil damit “qualifizierte Zuwanderer nach Deutschland kommen”. Das nun ist leicht, denkt man, nicht wahr; eine typisch links-grüne Forderung nach mehr Chancen- und Migrationsgerechtigkeit. Vielleicht ist Person X Claudia Roth?

Nein, nein, alles ist falsch. Es ist nicht Sigmar Gabriel, nicht Oskar Lafontaine, nicht Friedrich Merz, schon gar nicht Claudia Roth – es ist Silvana Koch-Mehrin, FDP-Spitzenfrau im Europäischen Parlament, die sich hier mit links-sozialdemokratischen Vorschlägen zu Wort meldet. Vereinheitlichung der Steuersätze – unerhört. Man sollte ihr erklären, dass die FDP für Steuerwettbewerb steht. Und: Griechenland-Hilfe – zu spät? Die sollen froh sein, dass sie überhaupt was bekommen haben, so die überwiegende Stimmung an der FDP-Basis. Und dann, quasi als Krönung, die Forderung nach einer Quotenregelung. “Mehr Staatsgläubigkeit geht nicht”, würde ein Liberaler sagen.

Nicht falsch verstehen: ich finde es richtig, was Koch-Mehrin da formuliert (Quoten, kein Steuer-Wettbewerb nach unten). Aber genau das ist das Problem der FDP: wenn ich es gut finde, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es keine originäre FDP-Position ist. Und genau deshalb schmiert die FDP in den Umfragen dermaßen ab: je länger die FDP und ihre Spitzenkräfte im Fokus der Öffentlichkeit stehen, desto deutlicher wird, dass echter Liberalismus dort kaum noch zu finden ist. Das ist das Problem. Und es ist selbstverschuldet. Daran ist nicht die CDU schuld, nicht Angela “Schwarze Witwe” Merkel, nicht die Medien, nicht der Zeitgeist – daran ist einzig und allein die FDP schuld; genauer: die FDP-Mitglieder, die diese Spitzenkräfte in die Top-Positionen gewählt haben.

Rot-Grün mit eigener Mehrheit im ARD-Deutschlandtrend

CDU/CSU: 31%
SPD: 31%
Grüne: 17%
FDP: 5%
Linkspartei: 10%
Sonstige: 6%

Noch ein Video: “Ne, das mach’ ich nicht.”

Und noch ein Video. Es ist einfach zu lustig. “ZDF heute show: Prinzessin Westerwelle – launisch sogar gegenüber Kindern.”

Lieber Herr Mappus! Unser Baden-Württemberg ist bunter. Bunter als Ihre Regierung denkt.