Es ist schon erstaunlich, welche Kettenreaktionen nach der Rücktrittsankündigung von Franz Müntefering konstruiert werden.
Erst meint der bayerische Ministerpräsident Stoiber, jetzt doch nicht mehr nach Berlin zu müssen – dass er so an unserem Münte hängt, ist schon erstaunlich. Dann meint die Union jetzt auch noch diskutieren zu müssen, dass es Neuwahlen im März geben soll – dass sich durch den Wegfall einer Person jetzt anscheinend der Wählerauftrag verändert, erstaunt noch viel mehr.
Nein, mir drängt sich der Eindruck auf, dass hier wieder einmal das übliche Medienspiel gespielt wird. Da schwadroniert ein Zeit-Redakteur “Die SPD bewegt sich nach links”, da wird von den “SPD-Kannibalen” gesprochen.
Und für manchen Unionisten scheint die derzeitige Situation ein willkommenes Mittel zu sein, aus der ungeliebten Koalition fliehen zu können. Oder wie soll man dann die Äußerungen verstehen?
Innere Entscheidung – Außenwirkung lächerlich
Letztendlich ist eines festzuhalten: Es war eine Entscheidung der SPD, die ausdrückte, dass sie eines gelernt hat: Die Partei muss der innerparteilichen Willensbildung mehr Raum einräumen. Es geht nicht, wie der geschätzte Roman Götzmann in selbigem Blog ausdrückt, um eine Misstrauenserklärung an Franz Müntefering. Nein, es war ein überdeutliches Zeichen, dass Personalentscheidungen gemeinsam getroffen werden müssen und eine Partei nicht nur einen einzigen Kopf hat, der denkt. Insofern ist Susanne Gaschke zuzustimmen, die feststellt, dass “man das Vorhandensein zweier qualifizierter Bewerber für den Generalsekretärsposten ja durchaus als erfreuliches Zeichen innerparteilicher Demokratie hätte deuten können.”
Egal, wie man zur Person Andrea Nahles steht, ich selber habe den Eindruck gehabt, dass sie für eine gute Einbindung der Linken in die Gesamtpartei sorgte, die Entscheidung des Parteivorstandes war kein Putschversuch, sondern ein Versuch, dem Willen der Mitglieder nach mehr Beteiligung Ausdruck zu verleihen. Und bei allem Respekt, die Entscheidung Franz Münteferings, zurückzutreten, war eine falsche. Aber sie ist gefallen.
Für die Koalitionsverhandlungen heißt dies jetzt, den Helm enger schnallen und nach vorne schauen.