Monatsarchiv für April 2006

 
 

Programmdebatte: Teilnahme erwünscht!

Seit gestern nun ist erneut die Programmdebatte innerhalb der SPD eröffnet. Man mag sich gar nicht ausrechnen, wieviel Papier bei den bisherigen Anläufen verbraucht worden ist, aber nun soll es nach einem minutiösen Fahrplan Ende 2007 doch soweit sein.
Bis dahin lädt die Partei auf vielfältige Weise zum Mitdiskutieren ein. Unter anderem in einem Blog mit Andrea Nahles und Hubertus Heil.
Es bleibt zu hoffen, dass die Partei nicht bei den altbewährten Floskeln hängen bleibt.

Platzeck tritt zurück – Schock und Enttäuschung

Matthias Platzeck
Wie jeden Morgen sitze ich an meinem Laptop, trinke meinen Kaffee, schreibe E-Mails und lese SPIEGEL online. Als ich vor wenigen Minuten auf dessen Homepage landete, verfiel ich erst einmal in Schockstarre: SPD-Chef Platzeck tritt zurück.

Enttäuschung macht sich in mir breit: Es ist aber keine Enttäuschung gegenüber Platzeck; es ist vielmehr die Enttäuschung, dass die SPD wieder einmal einen hervorragenden Mann zerschlissen hat. Es steht mir jetzt nicht an, über die Gründe dieses Rücktritts zu spekulieren. Matthias Platzeck war für mich die Hoffnung für die SPD: Er stand und steht für mich für einen Politikertyp, wie er in Deutschland fast schon ausgestorben ist: Ein grundehrlicher Mensch, dem die Zukunft der Menschen am Herzen liegt und nicht seine eigene. Wenn Platzeck redete, so redete kein geschliffener Politprofi, sondern ein Mensch, dessen Ehrlichkeit jeder spüren konnte, der ihn hörte.

Platzeck hat neben dieser in der Politik so selten vorzufindenden Menschlichkeit auch noch den Verstand, die Herausforderungen, vor der die Politik in Deutschland heute steht, richtig zu benennen und undogmatische Lösungen für sie zu denken (man möge nur den heutigen SPIEGEL hierzu lesen …).

Im vergangenen November war es daher fast wie ein Wunder für mich – und es machte mich stolz, ein Sozialdemokrat zu sein -, dass ein Politiker wie Platzeck an die Spitze einer der Volksparteien gewählt wurde. Er ist für mich so wohltuend anders wie die gesamte ergraute technokratische Elite, die im Raumschiff Berlin das Steuer in der Hand hält oder uns glauben lässt, dieses in der Hand zu halten. Er ist kein Mann, der die Bürger/innen mit wohlklingenden Worten einlullt, sondern durch seine Menschlichkeit gewinnen kann.

Dieser Matthias Platzeck war es, der im November 2005 mir neue Motivation einimpfte. Dieser Matthias Platzeck war es, der für mich den Unterschied personifizietrte zwischen der Sozialdemokratie und allen anderen politischen Strömungen.

Nun tritt dieser Matthias Platzeck ab und ich falle wieder in mein Novemberloch zurück. Einmal mehr hat es ein intelligenter und menschlicher Mensch, der nur das Schicksal der Menschen im Auge hat, nicht geschafft, sich an der politischen Spitze dieses Landes zu halten: Ein Trauerspiel für Deutschland!