Rütli ist überall.

Die Diskussion um die Rütli-Oberschule in Berlin ist inzwischen abgeebbt. Gott sei Dank? Ein einmaliger Ausrutscher im Berliner Bildungssystem, ausgelöst durch eine unglückliche Zusammenkunft von ausländischen Rabauken und nervenschwachen Lehrern, einfach ausmerzbar durch Sicherheitsdienste und einen neuen Rektor? Nein, das System fault schon seit Jahrzehnten, die Rütli-Oberschulen in Form des vernachlässigten Hauptschulsystems sind (fast) überall im Lande zu finden. Mit dem Unterschied, dass in Hauptschulen von Ballungsräumen die Schmelztiegel gehörig stärker unter Dampf stehen, als in ländlichen Gebieten.

Das grundlegende Problem ist, dass die Hauptschule immer schlechter den bildungssystematischen Notwendigkeiten gerecht wird und sich zum Sammelbecken von Verlierern entwickelt. Während die Hauptschule eigentlich einmal das Ziel hatte, die Schüler zu handwerklichen, industriellen und einfachen Dienstleistungsberufen zu vorzubereiten, wird das Handbuch für Hauptschulbildungsgang 1998 (Hg. v. Dietmar J. Bronder/Heinz-Jürgen Ipfling/Karl G. Zenke, Bd. 1: Grundlegung, Bad Heilbrunn: Klinkhardt.) erstaunlich direkt: Die Hauptschule gilt als Regelschule, muss also von den Schulträgern obligatorisch angeboten werden, und ist zugleich Pflichtschule, “weil alle schulpflichtigen Schüler und Schülerinnen, die keine andere Vollzeitschule besuchen, zum Besuch der Hauptschule verpflichtet sind.” Was sich hier zusammen mit fehlender oder verfehlter Integrationspolitik und mit geistiger Unterforderung vieler Hauptschüler für eine explosive Mischung zusammenbraut, kann man sich mit nur wenig Phantasie ausmalen. Ebenso benachteiligt sind Hauptschulabsolventen: Bewerben sich auf einen x-beliebigen Ausbildungsplatz sowohl ein Hauptschul-, als auch ein Realschulabsolvent oder Abiturient, hat der Hauptschulabsolvent in Normalfall deutlich geringere Chancen.

Es führt kein Weg vorbei, wir müssen das klassische Schulbild unbedingt länderübergreifend (!) reformieren und uns von der Dreigliedrigkeit Gymnasium-Realschule-Hauptschule verabschieden. Das Konzept der Haupt- und Realschule muß vereint werden (Konzept der so genannten Regionalschulen), um den heutigen Bildungsvoraussetzungen gerecht zu werden. Die Hauptschule muss als inzwischen fest eingeprägtes “Bildungsabstellgleis” selbst abgestellt werden.

 
 
 

3 Kommentare zu “Rütli ist überall.”

  1. El Horno
    24. Mai 2006 um 18:25

    Ja, Gesamtschulen sind gewiss die Lösung. Dann verblöden wenigstens alle und nicht nur ein paar Migrationshintergründige.
    Und auch der gleichmacherischen Gerechtigkeit wäre dann genüge getan. Brillanter Plan!

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  2. Besim Karadeniz
    24. Mai 2006 um 19:02

    Eine “gleichmacherische Gerechtigkeit” ist kein Argument, es ist ja kein einschieniges Konzept gefordert, sondern ein zweischieniges, bei dem Realschulen und Hauptschulen zusammengefaßt werden. Deren Lernkonzepte sind in vielen Bereichen schon jetzt näher, als man glaubt.

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  3. Anke Richter
    13. August 2006 um 17:14

    Die Gefahr das in einer Schulform noch mehr Schüler “absinken” ist gewiss da und kann nicht wegdiskutiert werden. Ich denke es sollte auf jeden Fall beide Lösungen geben, somit kann man selbst entscheiden womit man sein Kind am besten gefördert sieht.

    Liebe Grüße
    Anke Richter

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