Abseits – oder: Was heißt 'Blog' auf englisch?
Auf diesen Tag hat ganz Deutschland sehnsüchtig gewartet: der 9. Juni 2006. Ganz Deutschland sitzt gebannt vor dem Bildschirm – in Biergärten & Parks, dicht gedrängt in der Menschenmenge vor der Großbildleinwand … Ganz Deutschland?
Nein, in dem kleinen badischen Dorf Michelbach – Goldmedaillen-Gewinner als schönstes Dorf – versammelt sich eine Truppe Unerschrockener, um dem Weltfrieden näher zu kommen. Der Juso-Landesvorstand tagt. In Michelbach. Drei Tage lang. Mittendrin. Mitten im Leben. Oder in der Fußballsprache: im Abseits.
Während der Rest von Deutschland gebannt in die Röhre guckt, machen die Jusos kurzen Prozess – mit dem Salat. In der Küche.
In Michelbach ist die Welt noch in Ordnung. Hier hat noch nie jemand etwas von quotierter Redeliste gehört, aber davon, dass das Bedienen der Spülmaschine ganz alleine Frauensache ist.
Während die Michelbacher hupend und Fahne schwenkend nach Gaggenau fuhren, begann für die Juso-Elite das Ringen bei Grundsatzfragen: Sprechen Fernsehtürme Jugendliche an? Wie soll künftig das Briefpapier aussehen? In einem Punkt war man sich gleich einig: Die alte Rose bleibt.
Was heißt „Blog“, „Template“ und „Podcast“ auf Englisch?
Gerade macht Angie Merkel in ihrem ersten Podcast auf meinem iPod das Maul zu, da erkennen auch die Jusos die Chancen des Internets. Das Thema „Internetaktivitäten“ wurde lange und heiß diskutiert. Künftig klarer strukturiert, geht Jusos-online.de in einem Mitgliederbereich auf Jusos-bw.de auf bzw. unter.
Freuen kann man sich künftig auf den bloggenden Landesverband:
Brennende gesellschaftspolitische Fragen wie – welche Pilze gibt es im Sommer, welche Kochrezepte sind sozialistisch, warum zensiert das Landesbüro Bilder, warum schält Roman Käse, werden künftig hier kompetent beantwortet.
Ach ja, Fußball wurde zeitweise auch geschaut. In Michelbach führten die Polen sogar 3:1.
Diese Glosse soll dazu dienen, den neuen Bloggern Themen zu liefern. Villeicht gibt es ja bald einen Podcast mit Roman Götzmann.



12. Juni 2006 um 13:42
Lieber Thilo, liebe Blogger-Community,
dann nehme ich doch mal deinen (offensichtlicherweise bewusst provozierenden) Beitrag auf und erzähle das Ganze mal aus meiner Sicht.
Im Anseits in Michelbach? Jein.
Aus verkehrstechnischer Sicht trifft das sicherlich zu, zwar kommt man aus allen Ecken Baden-Württembergs problemlos an den nächsten Bahnhof nach Gaggenau, dann aber nach Michelbach zu kommen ist eine hohe Kunst der Geduld und Flexibilität.
Für die Autofahrer gibt es da die Bahnschranken (ca. alle 100m), die nicht nur bereits 10 min bevor die S-Bahn vorbeirauscht schließen (damit auch die lahmste Omma nicht gefährdet wird) sondern auch erst 10 min nachdem die S-Bahn in rasantem Tempo vorüberzieht wieder öffnet. Anscheinend meint man es gut mit den waschfaulen Autofahrern und wartet deshalb, bis sich auch das letzte Sandkorn wieder gelegt hat.
Einen wahrer Spaß wird auch für die ÖPNV-Abhängigen geboten, der Busverkehr zwischen Bahnhof und Naturfreundehaus verkehrt nämlich nur an Wochentagen. Dumm gelaufen für die, die vielleicht auch mal am Wochenende ins idyllische Michelbach wollen, ohne die Luft zu verpesten.
An dieser Stelle ein Dankeschön an Matthias Anselm, der extra vom Baggersee gekommen ist, um für die Lavos und ihr Gepäck Shuttle zu spielen. Das nenne ich Einsatz.
Genug aber zu der Örtlichkeit, die ja an sich wirklich schön war (Fuchs und Hase und Nacht und so).
Jetzt mal zu dem vorgeworfenen Abseits.
Das möchte ich doch mal auf deutlichste Verneinen! Suche mal einen Termin im Juni oder Juli, an dem man nicht in Kauf nehmen muss, einen WM-Termin zu verpassen. Nachdem wir zusammen das Eröffnungsspiel geschaut haben (zugegeben, die fachlichen Kompetenz war nur in Teilen vorhanden, aber was können die Jusos besser als kompetent daher zu schwätzen ohne genau zu wissen um was es geht ;-)), mussten wir uns nun mal leider wieder der Tagesordnung widmen, da wir unseren Stargast an diesem Abend (T.W. aus G.) nicht länger warten lassen wollten. Schließlich ging es ja um die mediale Zukunft dieses Landesverbands (die Wichtigkeit hatte am Ende auch jeder Pilz im umgebenden Wald verstanden).
Abgesehen von der Freitag Abend-Gestaltung ging es an diesem Wochenende natürlich aber auch um Inhalte. Auf der Tagesordnung stand unter anderem die Planung der bevorstehende Projektgruppe “Armutsbekämpfung” sowie der Veranstaltungsreihe “Linke Politik in neuen Zeiten”. Ihr könnt euch dabei schon mal auf ein umfassendes und interessantes Jahresprogramm einstellen. Näheres zu den ersten Terminen gibts in Kürze.
Unsere Lebenstauglichkeit konnten wir dann im Übrigen Samstags Abends testen, als wir die vielfältige Kneipenlandschaft (und Tankstellen) in Gaggenau gemeinsam mit den einheimischen Jusos unsicher gemacht haben.
Ergo: Abseits – Mitnichten. Jusos sind ein lebenstauglicher Haufen, mitten in der Gesellschaft, die für die gute Sache (Weltfrieden und so) sich auch mal ein Wochenende um die Ohren schlagen, wo der Otto-Normal-Mensch fussballschauend in der Sonne brutzelt!
In diesem Sinne eine sonnige Woche!
eure Julia
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