"Einwanderer-TV"
Stefan Mappus, CDU-Fraktionsvorsitzender im Landtag, hat wieder einen unverkennbaren Auftritt auf das Integrationsparkett gelegt. In der eher mässigen Sommerlochdiskussion über so genanntes “Einwanderer-TV”, bei der es eigentlich eher um die Frage geht, ob tatsächlich öffentlich-rechtliche Spartenkanäle für Minderheiten in Deutschland notwendig sind oder nicht, verstieg er sich zu der Aussage, “dass es nicht sein könne, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen mit einem Einwanderer-TV Parallelgesellschaften fördert und den ausländischen Mitbürgern anbietet, es sich ohne Kenntnisse der deutschen Sprache in ihrer Nische bequem zu machen.” “Wir”, so Mappus weiter, “fordern von den Zuwanderern eine gewisse Bringschuld bei der Integration und bieten mit hohem finanziellem Aufwand Hilfe beim Erlernen der Sprache. Da kann es doch nicht sein, dass mit öffentlichen Geldern diese Bemühungen ad absurdum geführt werden.”
Lieber Herr Mappus, die meisten hier lebenden Ausländer wollen es sich sicherlich nicht “in ihrer Nische” bequem machen und ihrer Parallelwelt frönen, sondern sie wollen sich ebenfalls informieren können. Integrationsbemühungen mit landessprachlichen Sendungen von öffentlich-rechtlichen Sendern ad absurdum zu führen, ist in etwa so geistreich argumentiert, wie den Bayerischen Rundfunk aus baden-württembergischen Kabelnetzen zu verbannen, um unser Ländle zu retten, vor was auch immer.
Es ist gute Sitte einer aufgeklärten, internationalen Gesellschaft, Nachrichten nicht nur in ihrer Sprache zu präsentieren, sondern international. Die Deutsche Welle tut dies tagtäglich in 29 weiteren Sprachen neben Deutsch und es ist eine Wohltat, im Ausland in einem fremden Land die deutsche Meinung mit unzensierten und meinungsoffenen Nachrichten zu hören – in Deutsch und in den besagten weiteren, 29 Sprachen.
Ob Spartenkanäle für ausländische Mitbürger notwendig sind oder nicht, stellt sich überhaupt nicht, sie sind in öffentlich-rechtlichen Institutionen europaweit schon lange Realität und bewährte Instrumente zur Kommunikation gegenüber Ausländern. Ob das nun das jahrzehntealte und bewährte Ausländerprogramm im Radio, der deutsch-französische Kultursender Arte, die Deutsche Welle oder auch die Eurovision ist: Niemand – vermutlich niemand – käme auf die Idee, die redaktionell hochwertigen Angebote für hier lebende Ausländer als plumpe Ausgrenzungsmedien für Unintegrierbare zu kennzeichnen oder den European Song Contest nur noch in deutscher Sprache zuzulassen.
Ein öffentlich-rechtliches Spartenangebot für hier lebende Ausländer bietet große Chancen: So wäre es möglich, hier lebende Ausländer gezielt über deutsche Geschehnisse, Sachverhalte in der Innenpolitik und auch kulturell in der Qualität zu informieren, wie wir es von öffentlich-rechtlichen Sendern kennen. So ein Angebot würde sich zweifellos positiv von den heimatlichen Angeboten abheben, die viele Ausländern via Satellit empfangen und die nicht unseren Ansprüchen nach weitgehend freier Meinungsäußerung entsprechen. Programme für Minderheiten in unserer Gesellschaft dürfen nicht einfach nur einmalige “Aktionswochen” in ARD und ZDF sein.
Nichtsdestotrotz wollen wir auch nicht vergessen: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat in Deutschland einen Auftrag, auch Minderheiten in der Gesellschaft im Programmauftrag zu berücksichtigen. Dazu gehören kulturelle Angebote (Kennen Sie eine literarische Sendung in Privatsendern?), dazu gehören auch Beiträge, die sich mit den Nöten behinderter Menschen auseinandersetzen und dazu gehören auch unsere ausländischen Mitbürger, die sich nicht in “Nischen” bequem machen und nur konsumieren wollen.


