Monatsarchiv für Mai 2007

 
 

Rau alleine zuhause

Kaum zu glauben, aber Kultusminister Rau ist so langsam aber sicher alleine zuhause. Mit seiner Meinung, dass am baden-württembergischen Schulsystem nicht gerüttelt wird, erzeugt er nur noch Abneigung.
Joachim Möhrle, HandwerkspräsidentSelbst der Präsident des baden-württembergischen Handwerktages Joachim Möhrle, wahrlich ein konservativer Mensch, redet davon, dass 40 Jahre Herumdoktern nichts gebracht haben. Er fordert, mit dem gesamten Handwerkstag im Rücken, die Abkehr von der Dreigliedrigkeit. Dafür habe ich ihn in meinem Blog zum Mann der Woche gemacht.

Schulleiter im Aufstand – SPD-Konzept zeigt den Weg

Arbeitszimmer zweiOberschwaben – eine Hochburg der SPD? Nein, davon kann man mit Sicherheit nicht ausgehen. Genauso verhält es sich mit den Schulleitern im dortigen Raum. Man muss sie wohl eher als Speerspitze der konservativen Pädagogik bezeichnen, denn als sozialdemokratische Punkte im schwarzen Meer. Insofern muss man umso erstaunter darüber sein, was derzeit über die Websites von SWR und SPIEGEL ONLINE rauscht: Die Schulleiter in Oberschwaben warnen Kultusminister Rau vor einem Festhalten an seinem falschen Kurs und fordern ihn zu einem deutlichen Kurswechsel hin zur Gemeinschaftsschule.

Anlass ist ein Fitnessprogramm für die Hauptschulen, welches das KuMi vorschlägt. In ihrem Brief fragen Sie den Kultusminister “ob Ihr Ministerium eine nur lückenhafte Kenntnislage über die Arbeit an unseren Schulen besitzt oder ob hier gar eine bewusste Irreführung der Öffentlichkeit beabsichtigt ist.” Denn letztlich ist sich der Minister Rau nicht zu schade, zu behaupten, dass die Hauptschulen Schuld an der Misere zu geben. Sie schreiben dazu: “Durch diese erneute so genannte “Reform der Hauptschule” wird suggeriert, dass die nicht vorhandene Akzeptanz dieser Schulart an deren mangelhafter Arbeitweise liege. Das passt unseres Erachtens nicht zu dem Hohen Lied, das Sie immer wieder in der Öffentlichkeit auf die Arbeit der Hauptschule singen.”

Die Hauptfragen, welche die Rektoren stellen, sind folgende:

  • Was veranlasst Sie, in einem “Neuen Fitnessprogramm” Inhalte und Methoden als neu und besonders erfolgreich darzustellen, welche in Wirklichkeit schon seit Jahren an vielen unserer Hauptschulen umgesetzt werden?
  • Warum lernt Ihr Ministerium nicht aus den Erfahrungen der letzten 20 Jahre, in denen unzählige “Fitnessprogramme” zur Stärkung der Hauptschule ins Leben gerufen wurden, die aber allesamt nichts am zunehmenden Desinteresse an dieser Schulart änderten und zudem viel Geld kosteten?
  • Wie wollen Sie eine nach wie vor engagierte und innovative Lehrerschaft zu ständig neuen Anstrengungen motivieren, obwohl seit Jahrzehnten die Akzeptanz der Hauptschule stetig geringer wurde?
  • Warum entscheiden sich immer weniger Studienanfänger für den Beruf des Hauptschullehrers?
  • Warum orientieren Sie sich im Zeitalter der Globalisierung nicht an internationalen Maßstäben und Erfahrungen, sondern halten an einem Schulsystem fest, das in punkto Gerechtigkeit, Integration und Leistung keinem internationalen Vergleich standhält?

Die Rektoren konstatieren ein Gerechtigkeitsproblem, ein Problem der Strukturen und ein Selektionsproblem. Interessant ist dabei mit Sicherheit, dass die Rektoren letztlich eine alte Forderung der SPD in Baden-Württemberg aufgreifen, die derzeit auch im Bildungsaufbruch der Partei vorkommt und weiterentwickelt wird.

Doch genug der Worte an dieser Stelle, lassen wir HIER DIE REKTOREN selber reden und hoffen wir darauf, dass sich noch viele andere Schulleiter anschließen werden. Denn jetzt schon steht zu befürchten, dass die Landesregierung eine beispiellose Einschüchterungskampagne fahren wird und das Dienstrecht benützt. Aber Beamte sind dem Wohl des Landes und nicht dem Wohl des Kultusministers verpflichtet, Herr Rau!

Meint

Sebastian Weigle

Die SPD macht ein Programm – schon mitbekommen?

Die ProgrammdebatteEs wird ernst für die SPD. Nach dem Berliner Programm wird es in diesem Jahr wieder ein neues Grundsatzprogramm geben. Manche diskutieren zwar immer noch, ob es überhaupt ein neues Programm braucht, aber letztlich ist diese Debatte wohl gelaufen. Und insofern kommt es jetzt darauf an, sich einzumischen, Positionen zu beziehen und sich danach für sein Programm nicht schämen zu müssen.
Und wenn man manchmal auf die SPD schimpft und sich über sie ärgern kann, eines muss man ihr lassen: Sie ermöglicht eine breite Debatte. Bei welcher anderen Partei hat man solches schon mal erleben können?

So wurde ein, von der Qualität umstrittener, Fragebogen an alle Mitglieder versandt, die alternativ auch die Möglichkeit hatten, im Internet die Fragen zu beantworten. Der Bremer Entwurf wurde jedem Mitglied per Post zugesandt, zahlreiche Programmforen finden statt. Alles in allem schon eine gute Möglichkeit der Beteiligung. Aber es geht noch weiter. Miut der internetbasierten Programmplattformen wird diese Beteiligung auch um morderne Partizipationsmöglichkeiten erweitert. Ich denke, das ist ein feiner Zug. Vielleicht einfach mal reinklicken?

Meint

Sebastian Weigle