Schulleiter im Aufstand – SPD-Konzept zeigt den Weg
Oberschwaben – eine Hochburg der SPD? Nein, davon kann man mit Sicherheit nicht ausgehen. Genauso verhält es sich mit den Schulleitern im dortigen Raum. Man muss sie wohl eher als Speerspitze der konservativen Pädagogik bezeichnen, denn als sozialdemokratische Punkte im schwarzen Meer. Insofern muss man umso erstaunter darüber sein, was derzeit über die Websites von SWR und SPIEGEL ONLINE rauscht: Die Schulleiter in Oberschwaben warnen Kultusminister Rau vor einem Festhalten an seinem falschen Kurs und fordern ihn zu einem deutlichen Kurswechsel hin zur Gemeinschaftsschule.
Anlass ist ein Fitnessprogramm für die Hauptschulen, welches das KuMi vorschlägt. In ihrem Brief fragen Sie den Kultusminister “ob Ihr Ministerium eine nur lückenhafte Kenntnislage über die Arbeit an unseren Schulen besitzt oder ob hier gar eine bewusste Irreführung der Öffentlichkeit beabsichtigt ist.” Denn letztlich ist sich der Minister Rau nicht zu schade, zu behaupten, dass die Hauptschulen Schuld an der Misere zu geben. Sie schreiben dazu: “Durch diese erneute so genannte “Reform der Hauptschule” wird suggeriert, dass die nicht vorhandene Akzeptanz dieser Schulart an deren mangelhafter Arbeitweise liege. Das passt unseres Erachtens nicht zu dem Hohen Lied, das Sie immer wieder in der Öffentlichkeit auf die Arbeit der Hauptschule singen.”
Die Hauptfragen, welche die Rektoren stellen, sind folgende:
- Was veranlasst Sie, in einem “Neuen Fitnessprogramm” Inhalte und Methoden als neu und besonders erfolgreich darzustellen, welche in Wirklichkeit schon seit Jahren an vielen unserer Hauptschulen umgesetzt werden?
- Warum lernt Ihr Ministerium nicht aus den Erfahrungen der letzten 20 Jahre, in denen unzählige “Fitnessprogramme” zur Stärkung der Hauptschule ins Leben gerufen wurden, die aber allesamt nichts am zunehmenden Desinteresse an dieser Schulart änderten und zudem viel Geld kosteten?
- Wie wollen Sie eine nach wie vor engagierte und innovative Lehrerschaft zu ständig neuen Anstrengungen motivieren, obwohl seit Jahrzehnten die Akzeptanz der Hauptschule stetig geringer wurde?
- Warum entscheiden sich immer weniger Studienanfänger für den Beruf des Hauptschullehrers?
- Warum orientieren Sie sich im Zeitalter der Globalisierung nicht an internationalen Maßstäben und Erfahrungen, sondern halten an einem Schulsystem fest, das in punkto Gerechtigkeit, Integration und Leistung keinem internationalen Vergleich standhält?
Die Rektoren konstatieren ein Gerechtigkeitsproblem, ein Problem der Strukturen und ein Selektionsproblem. Interessant ist dabei mit Sicherheit, dass die Rektoren letztlich eine alte Forderung der SPD in Baden-Württemberg aufgreifen, die derzeit auch im Bildungsaufbruch der Partei vorkommt und weiterentwickelt wird.
Doch genug der Worte an dieser Stelle, lassen wir HIER DIE REKTOREN selber reden und hoffen wir darauf, dass sich noch viele andere Schulleiter anschließen werden. Denn jetzt schon steht zu befürchten, dass die Landesregierung eine beispiellose Einschüchterungskampagne fahren wird und das Dienstrecht benützt. Aber Beamte sind dem Wohl des Landes und nicht dem Wohl des Kultusministers verpflichtet, Herr Rau!
Meint
Sebastian Weigle

