Kultusminister Rau und die Tücken der parlamentarischen Demokratie
Dass ein Minister mangelhafte Kompetenz in der Sache vorzuweisen hat, kann vorkommen. Dass ein Minister selbstherrlich jegliche Zweifel der Betroffenen per Verordnung beiseite schiebt, geschieht hierzulande wahrscheinlich in einer gewissen Regelmäßigkeit. Dass ein Minister hingegen den verfassungsrechtlich vorgegebenen Weg zu politischen Reformen übergeht, ist erfrischend skandalös. Wenn dann auch noch alle drei Punkte in einer einzigen ministrablen Person zusammenfallen, ist dies in erster Linie eine Gefahr für das Land. So geschehen im Falle des Kultusministers von Baden-Württemberg, Helmut Rau. Die Französisch-Pflicht für Schulen an der Rheinschiene, die im letzten Moment vom Verwaltungsgericht in Mannheim gekippt wurde, soll hier inhaltlich nicht weiter diskutiert werden. Zahlreiche Proteste von Eltern, Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern, Rektorinnen und Rektoren, schlechthin aller im Schulbetrieb Beteiligten und in diesem Falle Betroffenen sprechen eine deutliche Sprache.
Weitaus bemerkenswerter ist folgendes: Das Gericht hat lediglich Formfehler in der ministerialen Verordnung festgestellt und die Richtlinie damit formal gekippt. Es spräche aus Sicht des Ministers mithin nichts dagegen, selbige nun auf normalem parlamentarischem Wege ins Leben zu rufen. Will er aber nicht. O-Ton Helmut Rau: “Wir müssen nun Akzeptanz in der Sache schaffen, und ich glaube nicht, dass wir das über ein Gesetzgebungsverfahren erreichen werden.” Vorzüglich! Die CDU-Abgeordneten der Rheinschiene haben offenbar etwas mehr Verstand bzw. Verständnis für die Betroffenen und würden aus gutem Grund gegen ihre selbstherrliche Regierung stimmen. Um dies zu verhindern, wird schlechthin das gewählte Parlament verhindert. Nicht weniger als der Grundkonsens einer parlamentarischen Demokratie wird hier vom Minister negiert. Wer Akzeptanz schaffen will, muss einer sachlichen Diskussion der gewählten, für die Gesetzgebung verantwortlichen Volksvertreter Vorschub leisten, anstatt dem Parlament die Kompetenz abzuerkennen, weil jenes möglicherweise im Sinne der Menschen und damit gegen den technokratischen Minister agieren könnte. Lustig auch, was der Herr Mappus, der doch die Regierungsfraktion zu jeder noch so schwachsinnigen Zustimmen nötigen kann, dazu zu sagen hat: “Wir unterstützen das Kultusministerium dabei, nun so rasch als möglich eine praktikable Lösung zu finden.” Praktikabel wäre es zweifellos, den einzelnen Schulen die Kompetenz über die Fremdsprachenfolge zu überlassen. Wer bräuchte dafür einen Minister, der offenbar keine Ahnung von der schulischen Lebenswirklichkeit am fernen Oberrhein hat? Allein: wer braucht diesen Minister überhaupt? Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für Verwaltungsrichter allein sind sicherlich kein Grund.








