Ute Vogt beginnt mit einer Erinnerung an den Internationalen Sozialistenkongreß, der im August 1907 hier um die Ecke in Stuttgart stattgefunden hat. August Bebel sprach vor 60.000 (!) Menschen, die wußten, dass die Sozialdemokratie die Antworten hatte, die sie erwarteten.

Ute Vogt stellt in ihrer einführenden Rede zum Landesparteitag klar, dass es die SPD ist, die in Baden-Württemberg viele Akzente in der Politik setzt. Bereits 1997 wurde im Landesparteitag in Aalen die Forderung nach einer Neugliederung des Generationenvertrags gestellt. Ute Vogt hält einen Rückblick über die Arbeit und über die Erfolge, die die baden-württembergische SPD umfassend unterstützt und auf den Weg gebracht hat.
Gleichzeitig beschwört die Landesvorsitzende, dass der traditionell enge Pakt der SPD und der Gewerkschaften weiterhin für alle beiden Seiten wichtig ist. Beispiel sind hier die Diskussionen um die Übergangsregelungen mit dem erhöhten Rentenalter auf 67 Jahren. Auch auf unser Drängen wurde eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die den Zugang in die Rente verbessern soll. Weiteres Thema in dieser Beziehung ist weiterhin der konsequente Kampf für den Mindestlohn und die genauere Definition von Zeitarbeit.
Beim so genannten “Kinderland Baden-Württemberg” quittiert Ute Vogt der CDU-Landesregierung ein komplettes Versagen. Auf 100 Kinder stehen derzeit nur 7 Krippenplätze zur Verfügung, landesweit fallen wieder viele Schulstunden aus und mit nur 3.750 Neueinstellungen von Lehrkräften hinkt Baden-Württemberg im Bildungssektor weiterhin hinterher. Eine nette Posse an dieser Stelle ist, dass nun auch die FDP im Lande offenbar davon überzeugt ist, dass eine sechsjährige Grundschule doch keine so schlechte Idee sein kann. Ute Vogt lädt die Landesregierung ein: Lasst die auch von uns angestossenen Entwicklungen, um die Bildungsmisere zu bekämpfen, weiter fortsetzen.
In der Innenpolitik stellt Ute Vogt die Frage in den Raum, was für ein Verfassungsverständnis es ist, wenn ein Bundesinnenminister und ein Bundesverteidigungsminister ständig versuchen, die Verfassung auszuhöhlen. Wo ist die Balance zwischen Sicherheit und Freiheit? Sicherheit darf nicht soweit gehen, dass die Freiheit dafür geopfert wird.
Es gibt genügend zu tun im Land. Warum fällt es uns so schwer, unsere Positionen mit den dafür erforderlichen Mehrheiten auszustatten? Der Landtagswahl 2006 ist bei der Bevölkerung nicht angekommen. Zwar waren wir begeistert von der Aufholjagd bei der Bundestagswahl, haben aber zu wenig beachtet, dass die Große Koalition trotz deutlich sozialdemokratischer Handschrift die Bevölkerung nicht so begeistert hat, wie gewünscht. Und ja, auch die Frage, ob das zentrale Wahlplakat mit dem “strengen” Blick Utes tatsächlich die Frische und Konsequenz unserer Politik dargestellt hat, stellt sich an dieser Stelle. Es gilt, grundsätzlich zu überlegen, die zweiwegige Arbeit von Landtagsfraktion und Partei zu vereinheitlichen und auch unserer Parteibasis zu vermitteln, dass Landespolitik wichtig ist – in einer aktuellen Umfrage zeigte sich, dass nur 40 % der Parteimitglieder der Meinung sind, dass Landespolitik wichtig sei.
Ute Vogt setzt an ihre Kandidatur die Forderung des Umkrempelns. Unser Wert bestimmt sich durch unsere Ideen. Wir müssen auch daran arbeiten, dass unsere Ideen zur Kenntnis genommen werden – ohne alles erst einmal schlechtzureden. Wir sind stolz auf die Menschen im Land – wir müssen jedoch daran arbeiten und vermitteln, dass das Land weniger wert wäre, wenn wir nicht dafür eintreten würden.
“Wir machen nicht alles, aber vieles besser. Sozialer. Gerechter. Näher am Menschen.” Das muss das Markenzeichen der SPD in Baden-Württemberg sein. Das aufzubauen, geht nicht in wenigen Tagen. Wir müssen jedoch einig darüber sein, dass dies nur gemeinsam als eine einheitliche Partei geht.
Die Punkte Ute Vogts:
- Die Stärkung der kommunalen Basis im Vorfeld der Kommunalwahl.
Die SPD stellt 30 Oberbürgermeister im Land – nur unwesentlich weniger, als die CDU. Die Stärke ist unsere Bindung an der Basis und wir müssen hier ansetzen, noch stärker den Menschen hier zuhören und ihnen die Sozialdemokratie an genau dieser Stelle vermitteln.
- Profilierung der SPD in zwei zentralen Themenfeldern: “Gute Arbeit” und “Initative für Bildung und Soziale Gerechtigkeit”.
Der Geldbeutel der Eltern darf nicht das Kriterium für eine höhere Bildung ihrer Kinder sein. Die dauerhafte Sicherung der sozialen Gerechtigkeit ist das zentrale Ziel – hier sind die Gewerkschaften unsere zentralen Diskussionspartner.
- Mitglieder gewinnen und Mitglieder pflegen.
Wir wollen und wir müssen wieder mehr werden. Unsere Parteiarbeit muss verstärkt in der Öffentlichkeit verankert werden. Jedes Mitglied soll gleichermaßen eingebunden sein in die Parteiarbeit und Ortsvereinen, die das nicht mehr leisten können, muss aktiv durch Kreisverbände geholfen werden.
- Schärfung des Personalstrategie.
Ebenfalls ein zentraler Punkt muss sein, junge Talente zu fördern und für politische Ämter zu begeistern. Ebenso müssen Genossen, die unsere Politik vertreten, konsequent bestärkt werden, ohne jedes Mal möglicherweise sich darüber zu ärgern, dass das das eigene Thema gewesen wäre.
Wir arbeiten alle für eine gemeinsame Politik. Der Platz, interne Dinge zur Sprache zu bringen, ist jedoch in der Partei. Ute Vogt ruft ausdrücklich dazu auf, alternative Vorschläge und Kritik hier und heute auf den Tisch zu bringen – denn nur diese Diskussion stärkt die Partei nachhaltig. Heimlichtuerei, Hinterrücks-Aktionen, Argumentlosigkeit und Scheinheiligkeit fügen der Partei schweren Schaden zu.
Ute Vogt wirbt dafür, die Grundlagen zu schaffen, um selbstbewusst in die Wahlkämpfe gehen zu können und um selbstbewusst dem Gegner und den Bürgerinnen und Bürgern sagen zu können: Die SPD ist die Partei des Fortschritts und der sozialen Gerechtigkeit, die SPD ist das Original.
Dauer der Rede: 71 Minuten.