Koch muss weg!
Eigentlich ist es ja nicht unser “Bezirk”. Und, “Gott sei Dank” muss man fast sagen, erspart uns die CDU in Baden-Württemberg den unerträglichen Achterbahn-Populismus, den Roland Koch derzeit in Hessen im Rahmen seines Wahlkampfes fährt.
Über seine politische Bilanz kann man wenig streiten – sie ist von vorne bis hinten desaströs: Vermasselte konservative Bildungspolitik mit der “sozialen Auslese”, ebenfalls eingeführte Studiengebühren, weiter hinterher hinkende Arbeitslosenquote, verquorener Zeitplan beim Ausbau des Frankfurter Flugplanes, das fast still und leise Kippen des Nachtflugverbotes… Au, au, au.
Da war es fast schon absehbar, dass am Ende zur heißen Wahlkampfzeit der gute, alte Ausländer wieder herhalten darf. War es bei der letzten Landtagswahl noch die Unterschriftenaktion gegen die doppelte Staatsbürgerschaft, so ist es dieses Mal die Kriminalität ausländischer Jugendlicher. Übrigens ein klassisches, landespolitisches Thema, in mehrfacher Hinsicht. Und wer jetzt fragt, wo eigentlich die Bilanz zu dieser Thematik von Roland Koch bleibt, wird enttäuscht sein, wenn er wirklich auf eine gewartet hätte: Es gibt keine. Stattdessen fordert er “Warnschüsse in Form von Gefängnissen”. Eine Wortwahl aus ganz dunklen Zeiten, die eigentlich sprachlos macht.
Heute hat er nachgelegt, im Fachmagazin mit den vier Buchstaben. Nun sollen es doch bitteschön wieder die Achtung vor den deutschen Sitten sein, die er gern wieder sehen möchte. Ein paar, Zitate daraus:
“Das Schlachten in der Wohnküche oder in unserem Land ungewohnte Vorstellungen zur Müllentsorgung gehören nicht zu unserer Hausordnung.”
Leider schreibt die CDU in Hessen nicht, in welcher Kultur in der Wohnküche geschlachtet wird. Im Islam jedenfalls nicht.
“Muss es nicht normal sein, dem Nächsten die Tür im Supermarkt aufzuhalten oder auch ordentlich zu grüßen?”
Klasse Satz, muss ich unserer Programmkommission beim nächsten Wahlkampf unbedingt empfehlen: Schaut euch den Knigge an und einfach daraus abschreiben!
“Wenn eine junge Frau an der U-Bahn angegriffen wird, eine ältere Frau kaum stehen kann, aber keiner ihr einen Sitzplatz anbietet, ein Rentner im Dunkeln respektlos angegangen wird oder ein Schwarzafrikaner Opfer einer Jugendbande wird, dann darf nicht weggeschaut werden. Dann muss eingegriffen und alarmiert werden.”
Sehr fein, sehr diffizil auf aktuelle Geschehnisse verweisend und dabei schön die markigen Worte des Satzes so gesetzt, dass die Kernpunkte nach dem Überfliegen zurückbleiben: “Junge Frau”, “Angriff”, “U-Bahn”, “ältere Frau”, “Rentner”, “angegangen”, “Schwarzafrikaner”, “Opfer”, “Jugendbande”, “eingreifen”, “alarmieren”.
Dass Roland Koch Koch von Einheimischen und Ausländern eine Rückbesinnung auf traditionelle Werte wie Anstand, Disziplin, Fleiß, Ordnung und Pflichtgefühl fordert, kommt ja eigentlich genau von der richtigen Person: Diverse “brutalstmöglich” aufgeklärte Spendenskandälchen, kurzerhand umdefiniert als “jüdische Vermächtnisse”, akute Vergesslichkeit in Untersuchungsausschüssen, kleine Wahlstimmentechtelmechtel mit den Freien Wählern in Hessen, gelegentliche Kommentare und Sprüche weit unter der Gürtellinie (für die er sich immerhin nach genügend Druck auch brav entschuldigt).
Selten ist ein SPD-Slogan so dringend, wie der Claim der SPD Hessen für diese Landtagswahl: Die Zeit ist reif. Sehr reif. Es wird Zeit, Herr Koch.

