Alle wollen wieder Werte?

Komme gerade aus Mannheim „Welche Antworten geben die Religionen auf die Frage der sozialen Gerechtigkeit ? – Anforderungen an eine moderne Sozialpolitik“. Sperriger Titel, war aber interessant. Ein evangelischer Dekan, ein katholischer Pater und der Beauftragte von DITIB (türkisch-islamische Union) und meine Wenigkeit. Es fällt echt auf, dass viele den Wunsch haben, wieder grundsätzlicher zu diskutieren. Jedenfalls kommt mir das auf Veranstaltungen so vor. Sicher müssen sich Grundsätze (und Grundsatzprogramme!) auch am praktischen Handeln orientieren; aber wir wären wieder um Einiges politischer in Deutschland, wenn ein Thema auch medial mal länger als zwei Tage überleben würde. Oder schreibt und sendet in den Massenmedien  noch einer was zur Kontrolle der Finanzmärkte und den Grundsätzen nach denen dort künftig gewirtschaftet werden soll? Kommt alles nicht von selbst. Ich bin jedenfalls froh, dass es noch so Veranstaltungen gibt, nach denen man mehr ins Nachdenken kommt, als beim rituellen Schlagabtausch der Parteien. Und dass bei dem  …Wetter auch viele Leute da waren, war klasse – ich wäre nämlich nicht freiwillig aus dem Haus, wenn ich nicht selbst auf dem Programm gestanden hätte!

2 Gedanken zu „Alle wollen wieder Werte?“

  1. Ja, ich glaube auch, dass im Zuge der Finanzkrise die Leute nachdenklicher geworden sind. Ist eben ein Zeichen der Verunsicherung, dass dann wieder über grundsätzliche Werte geredet wird.

    Ich frage mich allerdings: Welche sind das? Weil es ist es ja nicht so, dass es vorher keine gab. Risikofreudigkeit, Leistungsdenken, Erfolgsstreben, Ellenbogenmentalität können ja durchaus (und werden von Neoliberalisten) als erstrebenswerte Werte verkauft. Jetzt scheint es aber mehr um Sicherheit, soziale Bindungen, Solidarität zu gehen.

  2. Aber während die Einen nach neuen Werten suchen und diese vielleicht auch finden, orientieren sich viele andere an den „alten“ Werten und gehen jetzt zum Beispiel auf weltweiten Rohstoffeinkauf (wie zum Beispiel China). Gerade die „Dollar-Noten-Horter“ wie China profitieren ungemein von der Finanzkrise. Die USA sind hiergegen machtlos, da zahlungsunfähig. Und hier triumphiert nach wie vor der Neoliberalismus (Keynes wäre stolz). Das Umdenken scheint leider nur in den Ländern stattzufinden in denen auch vorher schon versucht wurde „entschleunigte“ Zonen zu schaffen -> Soziale Marktwirtschaft.

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