Monatsarchiv für April 2009

 
 

Neue Ära in den transatlantischen Beziehungen

London, Kehl, Straßburg und Prag haben gezeigt, dass es mit Obama gelingen kann, ein neues Kapitel in den transatlantischen Beziehungen aufzuschlagen. Klare Regeln für die Finanzmärkte, Ächtung der Steueroasen und Abrüstung sind Forderungen, die den Positionen der SPD entsprechen. Insbesondere die Beschlüsse der G20 in London brauchen jetzt aber auch eine konsequente Umsetzung im Land.

Video zum Siegerlogo für FWS-Wahlkampf

Eigentlich doch eine recht charmante Idee: Frank-Walter Steinmeier lässt eine der bekanntesten Grafik- und Designcommunities ein neues, persönl iches Logo für den Wahlkampf entwickeln. Bei Jovoto, so der Name des Portals, konnte dann jeder Vorschläge machen, die von der Community diskutiert und abgestimmt wurden. Heute ist ein Video erschienen, dass die beiden Preisträger zeigt, wie sie dem Spitzenkandidaten der SPD ihre Entwürfe vorstellen. Das Sieger-Logo sieht, meine persönliche Meinung, ein bisschen retro aus … Ich bin gespannt, ob und wie es zum Einsatz kommt.

Erwünschte und unerwünschte Wirkungen belohnungsorientierter Vergütung

„Leistungsorientierte“ Vergütung sickert von den Chefetagen der großen Aktiengesellschaften langsam aber sicher in die breite Masse der Hochqualifizierten. Wer möchte nicht gerne entsprechend seiner „Leistung“ bezahlt werden. Dann würde man selber endlich mal … – und die faulen Anderen erst …

Als Mitglied des Betriebsrates des größten europäischen Softwareunternehmens befasse ich mich wesentlich mit Fragen der Vergütung. Mein Eindruck ist, dass gerade in den sogenannten „leistungsorientierten“ Vergütungssystemen am aller wenigsten nach „Leistung“ bezahlt wird: „Pay-for-Performance“ als Euphemismus – woran liegt das?

Geld ist nicht gleich Geld. Menschen interpretieren das Geld, das sie erhalten je nach Kontext, in dem sie es erhalten, sehr unterschiedlich.

Betrachtet man die sogenannte „Leistungsorientierung“ genauer, stellt man rasch fest, dass der Begriff „Belohnungsorientierung“ viel treffender ist! Als belohnungsorientiert sehe ich Vergütungssysteme an, die die unmittelbare Steuerung von Verhalten in einem relativen Raum der Freiheit mittels materieller, meist finanzieller Anreize zum Ziel haben.

Eigentlich weiß jede Mutter und jeder Vater, was mit Kindern passiert, die systematischen Belohnungssystemen ausgesetzt werden. Manager oder Hochqualifizierte machen hier keine Ausnahme. Meine wesentliche These ist, dass belohnungsorientierte Vergütungssysteme in destabilisierender Weise in das menschliche System der Selbstregelung eingreifen und dabei Mechanismen in Gang setzen, die mit einer Abhängigkeitsentwicklung vergleichbar sind.

Als Wirkungen von belohnungsorientierten Vergütungssystemen im beruflichen Kontext sind anzusehen:

  • Leistungssteigerung bei einfachen Tätigkeiten, für die Menschen keine intrinsische Motivation aufbringen.
  • Bessere Steuerbarkeit des Menschen.
  • Gefährdung der Autonomie bzw. der Selbstständigkeit des Menschen.
  • Gefährdung der Gesundheit.
  • Verdrängung der intrinsischen Motivation des Menschen.
  • Erlernen, dass die unmittelbare Meinung des Belohnenden über die erbrachte Leistung wesentlich mehr zählt als die eigene Meinung.
  • Verdrängung der Kooperation zwischen den Kollegen durch Wettbewerb um die Gunst des Vorgesetzten.
  • Verschlechterung des Urteilsvermögens – zum einen über sich selbst, als auch systembedingt über andere.
  • Behinderung der Personalentwicklung.
  • Verstärkung der formalen Elemente im Umgang miteinander und Verlust von Flexibilität.
  • Begünstigung einer Kultur des Misstrauens.
  • Benachteiligung von Beschäftigtengruppen der Berufsanfänger, Älteren oder auch Teilzeitkräften.
  • Verlust von Kreativität und Innovationspotential.
  • Hohe administrative Kosten.

Wenn das Wirkspektrum belohnungsorientierter Vergütung so offensichtlich negativ ist – warum wird sie so weitreichend eingesetzt?

Weil sie ihre vermeintliche Überzeugungskraft aus einem momentan ebenso weitreichenden wie irrigen ökonomischen Theorierahmen schöpft, den ich als „Kapital-Radikalismus“ bezeichne. In ihm wird der Mensch per se als Egoist ohne soziale Präferenz angesehen und der Zweck von Unternehmen einseitig über die Interessen der Kapitaleigner definiert. Ähnlich wie politischer Radikalismus ist dieser Kapital-Radikalismus auf die Beseitigung seiner eigenen Voraussetzung gerichtet. Wird er effektiv umgesetzt, destabilisiert er das gesamte Wirtschaftssystem – die Finanz- und Wirtschaftskrise lässt grüßen.

In seiner Umsetzung spielt belohnungsorientierte Vergütung zum Zwecke der Steuerung eigentlich selbstständiger Menschen eine Schlüsselrolle. Deshalb gehe ich davon aus, dass eine Beseitigung dieser Vergütungsform auf längere Sicht durchgreifende weitere positive Veränderungen in unserem Wirtschaftssystem nach sich ziehen wird.

Im Rahmen eines neuen Denkens über die Stabilität unseres Wirtschafts- und Finanzsystems in Folge der gegenwärtigen Krise plädiere ich daher dafür als einfachste und effektivste Maßnahme, belohnungsorientierte Vergütung – ähnlich der Vorteilsnahme – schlicht gesetzlich zu verbieten. Damit wäre wahrscheinlich auch das Problem der irrwitzigen Managervergütungen mit einem Schlag gelöst, da diese wesentlich auf dem Belohnungsaspekt beruhen.

Johannes Reich

Strammes Liedgut im CDU-Liederbuch.

Dass in der CDU Baden-Württemberg immer wieder einmal die Themenfelder Konservatismus und Nationalismus ineinanderfließen und seltsamste Feststellungen und Huldigungen zur Folge haben, hat leider schon Tradition. Da werden NS-Verbrecher mal gern zu Feinden des Nationalsozialismus erklärt und nach jeder Verfehlung, nach jedem kleinlaut herausgeknurrten Bedauern, denkt man, dass es eigentlich nicht noch schlimmer kommen kann. Aber es kann.

Da veröffentlicht die CDU Baden-Württemberg ein Liederbuch und verteilt es in einer Auflage von 2.000 Stück an CDU-Geschäftsstellen im Land. Zuerst mal eine hübsche Sache mit ehrlicher Tradition. Dort findet sich dann allerdings auch ein Lied namens “Ob’s stürmt oder schneit”, das im Volksmund “Panzerlied” heißt und zur NS-Zeit gern gesungen wurde, da es unter anderem folgende Zeilen enthält:

“Voraus die Kameraden, im Kampf sind wir allein. So stoßen wir tief in die feindlichen Reih’n.”

und in einer weiteren Strophe, die wenigstens in der CDU-Fassung fehlt:

“Was gilt denn unser Leben für unsres Reiches Wehr? Für Deutschland zu sterben ist unsre höchste Ehr’.”

Hübsche Sache. Und wie üblich merkt man sowas erst einmal gar nicht, dann erst unter Druck von darüber berichtenden Medien, dann ist es erst einmal Unkenntnis und dann wird der Schwanz eingezogen. Immerhin soll das Liederbuch in der Fassung nicht mehr produziert werden, bereits verteilte Liederbücher aber auch nicht zurückgezogen. Und dafür hat der CDU-BaWü-Generalsekretär auch eine sehr geschmackvolle Begründung:

“Wir lehnen Bücherverbrennungen ab.”

Solche Peinlichkeiten gehen irgendwie nur bei uns im Ländle. :-(

[via SWR]

Hotte braucht sie alle!

Ein Aprilscherz? Klar, würde ich an so einem Tage sagen. Allerdings: Wenn ich mir so manch peinliche Online-Aktion der CDU anschaue… das aufgekochte “teAM”-Paradigma, die völlig peinliche Website von Dieter-Barack Althaus-Obama… dann traue ich den Online-Strategen der CDU derzeit wirklich alles zu. Immerhin hat im Unterstützerblog Ronald Pofalla auch schon mal eine Telefonaktion angekündigt, mit der alle Wahlmänner angerufen und überzeugt werden sollen. ;-)

Na, schaut es euch selbst mal an: http://vote4horst.wordpress.com/