"FDP = Fehlen Dauernd im Parlament"

Dr. Silvana Koch-Mehrin, Spitzenkandidatin der FDP für die Europawahl und nach Eigenbeschreibung „blonde Karrieretusse“, gerät erheblich unter Druck. Wie jetzt bekannt wurde, nahm sie nicht etwa nur an 75% der Parlamentssitzungen, sondern sogar nur an 62% der Sitzungen. (Und dies auch nur, wenn man ihren Mutterschaftsurlaub berücksichtigt – lässt man diesen raus, landet bei unter 45% Anwesenheit – aber dies nur am Rande.)

Das ist aber nicht genug: gleichzeitig leistete Koch-Mehrin wohl eine falsche Versicherung an Eides statt (§156 StGB) und eventuell einen Prozessbetrug (§263 StGB).

Mehr dazu gibt’s bei den Ruhrbaronen:

Der Knackpunkt ist dabei ein ganz spezieller. Wenn man sich die Plakate von Koch-Mehrin ansieht, mit denen sie versucht, Stimmen für ihre Europaspitzenkandidatur zu gewinnen, dann sieht man das Bild einer stolzen Frau. Sie will den Eindruck erwecken, sie verträte die Interessen der Bürger in Europa gut. In dieses Image scheint es nicht zu passen, wenn herauskommt, dass jemand nur irgendwas unter 45 Prozent der Plenarsitzungen in der EU besucht. Egal aus welchen Gründen.

Eigentlich hätte man erwarten können, dass Koch-Mehrin diese Wahrheit im Wahlkampf wegsteckt. Doch die FPD-Dame scheint punktgenau da getroffen worden zu sein, wo es wehtut. Sie war bereit einen Meineid zu leisten, um diese Wahrheit aus der Welt zu schaffen. Sie hat das EU-Parlament unter Druck setzen lassen, um diese Wahrheit zu vertuschen.

Dabei spielt es in meinen Augen keine Rolle, ob Koch-Mehrin wegen Kinderzeiten fehlte. Das ist OK. Aber warum muss sie ihre Anwesenheit aufpusten. Warum sagt sie dann nicht: Hey, ich war zwar nicht 100 Prozent der Sitzungen anwesend, aber immerhin 62 Prozent, wenn man meine Fehlzeiten als Mutter berücksichtigt. Warum musste sie diese Zahl noch übertreiben? Was hat sie dazu gezwungen?

Daniel Caspary, CDU-Europaabgeordneter, ließ sich via Twitter zu einem lustigen Wortspiel hinreißen, das auch die Überschrift dieses Artikels wurde:

@ju_pforzheim #Koch-Mehrin fehlte dauernd: im Plenum nur 38%, im HaushaltsA keine 40% Anwesenheit. #FDP = Fehlen Dauernd im Parlament

Ich für meinen Teil stelle jedenfalls fest: Leute wie Dr. Silvana Koch-Mehrin tragen eine gehörige Mitschuld am schlechten Bild des Europaparlaments in der allgemeinen Öffentlichkeit. Wenn ein normaler Arbeitnehmer nur an 62 von 100 Arbeitstagen arbeiten und beim Rest unentschuldigt fehlen würde, dies dann auch noch dreist leugnete, wäre dies ein Kündigungsgrund. Bei der FDP wird man hingegen Spitzenkandidatin fürs Europäische Parlament. Das ist der Unterschied.

Koch-Mehrin plakatiert: Arbeit muss sich wieder lohnen. Vielleicht sollte sie auch mal selbst was arbeiten.

6 Gedanken zu „"FDP = Fehlen Dauernd im Parlament"“

  1. Wer im Glashaus sitzt… Es gibt sicher aush SPD-EU-Abgeordnete, die sich nicht mit Ruhm in Sachen Arbeitseifer bekleckert haben. Koch.Mehrin ist ein besonderer herausgehoberner Fall, aber das Glaubwürdigkeit wäre nicht wiederhergestellt, wenn nur SPD-Abgeordnete für Deutschland in brüssel sitzen würden. Das Problem liegt tiefer.

  2. Nun ja, ich bin nicht wirklich ein Fan von der FDP, aber wenn man das mal so betrachtet:
    Koch-Mehrin gehört der Partei der Besserverdienenden und Leistungsträger an. Also muss man das so sehen, dass sie eben mehr leistet in weniger Zeit, also viel effektiver ist als nahezu alle anderen EU-Abgeordneten. Und besser verdienen tut sie dadurch auch! Das zeigt doch sehr deutlich, wo die Gelben ihre Prioritäten setzen.
    Andererseits hat das Abschneiden der FDP – trotz oder gerade wegen der Koch-Mehrin – den lieben Westerwelle zu wahren Jubelarien beflügelt:“Freude schöner Götterfunken!“ Naja, wenn´s schön macht.

Kommentare sind geschlossen.