Neue Werkrealschule – Neue bildungspolitische Sackgasse

Die von CDU und FDP im Landtag beschlossene Änderung des Schulgesetzes bezüglich der Werkrealschule wird nicht ohne Auswirkungen auf die baden-württembergische Schullandschaft bleiben. Die Verantwortung für die Einrichtung von Werkrealschulen wälzt die Landesregierung auf die Gemeinderäte ab. Die geforderte Zweizügigkeit wird es für die Kommunen schwierig machen, ihre Hauptschulstandorte zu bewahren.

Die neuen Werkrealschulen bieten beides an, einen Hauptschulabschluss nach der 9. Klasse und den Werkrealschulabschluss nach der 10. Klasse. Das Gesamtkonzept der Werkrealschule kann nicht als eine Stärkung der HauptschülerInnen begriffen werden, denn schon die gemeinsame Grundschulempfehlung für Haupt-/Werkrealschule macht deutlich, dass es sich beim Werkrealschulabschluss nicht um einen dem Realschulabschluss gleichwertigen Abschluss handelt. Für die guten HauptschülerInnen wird die Werkrealschule keine zusätzliche Perspektive bieten, denn sie können bereits heute über die zweijährige Berufsfachschule oder die bisherige Werkrealschule den mittleren Bildungsabschluss machen. Auch die geplante Zulassungsbeschränkung für den Übergang von der 9. zur 10. Klasse verspricht keine Verbesserungen für die Hauptschüler/innen.

So wird die neue Werkrealschule nicht zu einer Weiterentwicklung führen, sondern ist lediglich ein Konstrukt um das konservative Bildungssystem in Baden-Württemberg am Leben zu erhalten.

Um deutlich zu machen, dass die Jusos für eine Weiterentwicklung des Bildungssystems und eine Überwindung des dreigliedrigen Schulsystems kämpfen werden, wurde auf dem letzten Landesausschuss eine Resolution verabschiedet, die die Einführung einer 10-jährigen Basisschule fordert, um eine tatsächliche Verbesserung des Bildungssystems zu erreichen. Außerdem fordern die Jusos auf kurze Sicht gesehen, § 22 des Schulgesetzes dahin gehend zu ändern, dass Schulträger in Zukunft eigenständig darüber entscheiden können, ob sie eine der bisherigen Schulformen oder aber auch eine Kombination beispielsweise im Sinne einer Gesamtschule einführen möchten.

Unsere Vision einer Basisschule orientiert sich an dem Vorbild der skandinavischen PISA- Sieger: Es geht nicht darum eine Massengesamtschule zu errichten, sondern darum, eine Schule mit modernen Unterrichtsmethoden und individueller Förderung zu schaffen. Die Verlängerung der gemeinsamen Lernzeiten soll verhindern, dass der Bildungserfolg nicht, wie bislang, von der sozialen Herkunft und vom Geldbeutel der Eltern abhängt

Lena Kamrad

 
 
 

2 Kommentare zu “Neue Werkrealschule – Neue bildungspolitische Sackgasse”

  1. PetraK
    5. Januar 2010 um 20:21

    Jetzt hat auch die FDP ihr Herz für die Bildung entdeckt, siehe Stuttgarter Zeitung vom 05.01.10. Scheinbar hat Frau Homburger gemerkt, dass man mit diesem Thema Wähler anspricht. Leider war die FDP halt in den letzten Jahren ebenfalls für die Entwicklungen in der Bildungspolitik verantwortlich, aber wen interessiert 2011 noch, wer 2009 irgend etwas beschlossen hat.

    Gut oder schlecht: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  2. sean lorenz
    10. Februar 2010 um 12:41

    Treffend hat das Durcheinander um die Werkrealschulen ein Bürgermeister im Ostalbkreis bezeichnet. „Die Chaostage in Stuttgart“. Bereits gegebene Zusagen an mehrere Gemeinden zur Einrichtung von Werkrealschulen durch das Regierungspräsidium in Stuttgart wurden kurzerhand per Email einfach wieder aufgehoben. Es kann sich wohl hierzulande keine Stadt sicher wähnen solch eine Schule auch tatsächlich zu bekommen. Sei es nun die Stadt Neresheim auf dem Härtsfeld oder aber Städte wie Schwäbisch Gmünd und Aalen. Offenkundig sind Zusagen des Regierungspräsidiums, seien sie schriftlich oder per Handschlag erteilt, nicht den Pfifferling wert den man mitunter noch auf dem Härtsfeld wachsen sieht. Die Stuttgarter Landespolitker machen das wachsende Misstrauen ihrer Bürger regelrecht zu den Grundlagen ihrer politischen und menschlichen Handlungen. Und das auf dem Rücken vieler schulpflichtigen Kinder ihren Lehrern und den Eltern.

    Vier Wochen ist es her, da präsentierte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) eine Studie, in der es feststellt das es Kindern in Deutschland schlechter geht als in vielen anderen reichen Industriestaaten. Offenkundig sehen auch viele Jugendliche in Baden-Württemberg ihre Perspektiven so düster. Denn sie berichten häufiger davon als anderswo sich allein gelassen zu fühlen. Auch vielen Eltern die beispielsweise nach ungünstigen Busverbindungen oder notwendigen Schulrenovierungen fragen geht es da nicht besser. Auf ihre Fragen erhalten sie oftmals eher verhaltene oder überhaupt keine Antworten von ihren Volksvertretern.

    Da soll sich niemand wundern wenn viele Eltern von schulpflichtigen Kindern der Meinung sind, dass sich unsere gewählten Volksvertreter von ganz gewöhnlichen Vertretern nur in der Weise unterscheiden, das diese dem Volk ihre Versicherungen für Geld und jene das Volk mit ihren Versicherungen für dumm verkaufen.

    Gut oder schlecht: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

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