Monatsarchiv für März 2010

 
 

Bilanz der bisherigen Regierungsarbeit der „Wunschehe von FDP und CDU/CSU“ – Entweder man bricht seine Wahlversprechen oder man bricht das Grundgesetz!

Die öffentliche Meinung ist sich im Klaren, selbst konservative und liberale Zeitungen und Medien werfen der neuen Regierung einen eindeutigen Fehlstart vor. Einsicht sogar bei einigen Akteuren: Es ist die Rede von Neustart und Neubeginn. Welche Ereignisse haben sich seither zugetragen?

Begonnen am 27. September, dem rabenschwarzen Tag für die einst so mächtige und stolze Volkspartei SPD. Verhaltener Beifall im Konrad-Adenauer-Haus als die ersten Zahlen über den Bildschirm laufen, dann auf einmal fanatischer Jubel als die Zahlen für die SPD auftauchen. Die jungen von „TeAM Deutschland“ feiern den scheinbaren Untergang der zweiten großen Volkspartei, da selbst das Ergebnis der Liberalen eine nicht ganz so schlimme Ohrfeige für die Konservativen war. Die FDP war der klare Sieger an diesem Wahlabend, vor allem konnten die Liberalen von der Union an Wählerstimmen dazu gewinnen.

Aber mit welchen Themen hat die FDP einen solchen Triumph einfahren können?
„Mehr Netto vom Brutto“
„Familien entlasten“
„Haushalt konsolidieren“
„ Datenschutz erweitern“

Das waren die Schlagworte der Liberalen im Wahlkampf. Aber was ist aus diesen Schlagwörtern geworden?

Der Fall Steuerentlastung: Der wichtigste und stärkste Mann in Merkels Kabinett ist nicht der Außenminister und Vizekanzler Guido Westerwelle, nein es ist Wolfgang Schäuble. Bei der Amtsübergabe von Peer Steinbrück zu seinem Nachfolger schenkte der Sozialdemokrat Wolfgang Schäuble einen überdimensionalen Rotstift. Und fügte hinzu, er verstehe ja nicht, wie die schwarz-gelbe Koalition die versprochene 24-Milliarden-Euro-Steuersenkung finanzieren und gleichzeitig Schulden abbauen wolle. Schäuble ist der Minister mit dem scheinbaren Vetorecht und der wohl gefährlichste Mann der FDP. Statt Steuersenkungen a la FDP wird jetzt auf die nächste Steuerschätzung gewartet. Nach bisheriger Betrachtung haben solche Steuerschätzungen die Bevölkerung noch nie mit so freudigen Nachrichten überrascht, dass wir davon ausgehen können, im nächstes Jahr massiv die Steuern zu reduzieren. Die FDP kann sich also bis Mitte Mai eine Ausrede einfallen lassen, warum sie ihr Wahlversprechen haben brechen müssen oder sie zwingen ihren Koalitionspartner, das Grundgesetz zu brechen, denn mit der Schuldenbremse im Grundgesetzt wird dies kaum mehr möglich sein.

Summa Sumarum lässt sich resümieren, dass die FDP nur nach Außen versucht zu verkaufen, sie hätten einen Einfluss auf die Dinge des Geschehens. Dafür sind sie aber gar nicht in der Lage. Ihr derzeitiger finanzpolitischer Sprecher Carl-Ludwig Thiele wird vermutlich in den Vorstand der Bundesbank wechseln, der eigentliche Experte Hermann Otto Solms hält sich bei der finanzpolitischen Diskussion zurück.

Der Fall Haushalt konsolidieren. Nun einiges dazu kam ja schon im Vorhinein. Die FDP mahnte nahezu panisch in Zeiten der Opposition an, den Haushalt zu sanieren. Auch in ihrem Wahlprogramm ist davon die Rede. Die Realität ist allerdings eine andere. Die versprochenen Steuergeschenke reden eine andere Sprache. Der Koalitionsvertrag setzt drei Schwerpunkte zur Bekämpfung der Krise:
•„Steuersenkung, damit sich sozialversicherungspflichtige Arbeit wieder lohnt. Durch diese Maßnahmen soll maßgeblich das Wachstum für Morgen entstehen.“
•„Konsolidierung der öffentlichen Haushalte durch einen Kurs der Sparsamkeit.“
•„Beschäftigungssicherung durch Finanzierungshilfen für Unternehmen mit dem Schwerpunkt auf Investitionen.“

Die Rolle des Staates wird auf Rahmensetzung begrenzt: „CDU, CSU und FDP sind sich einig: Die Beteiligung des Staates an Wirtschaftsunternehmen und Finanzinstituten ist so eng wie möglich zeitlich zu begrenzen. Es ist jetzt mit einer Ausstiegsstrategie zu beginnen “

Wie das in der Umsetzung aussehen soll, ist leider unklar. Die Steuersenkungsgedanken basieren hierbei auf dem Prinzip Hoffnung. Diese Hoffnung teilen nicht einmal liberale Wirtschaftswissenschaftler. Man hat den Koalitionsvertrag mit Prüfaufträgen gespickt. Diese werden natürlich erst nach der Wahl in NRW ausgewertet sein.

Das Wachstumsbeschleunigungsgesetz hingegen lässt vermuten, dass die Liberalen nunmehr zu einer Klientelpartei geworden sind. In diesem Gesetz ist vereinbart, das Hotels nunmehr von der erhöhten Mehrwertsteuer befreit werden sollen. Dabei waren es doch gerade die Liberalen, die immer gefordert hatten, man solle alle Ausnahmen in der Mehrwertsteuererhebung abschaffen. Jetzt sind es die Liberalen, die kurz nach dem Wahlsieg die nächste Ausnahme im Bereich der Mehrwertsteuer erheben.

Einen besonders bitteren Geschmack hinterlässt bei dieser Debatte allerdings der Fakt, dass die FDP eine millionenschwere Spende der Düsseldorfer Firma Substantia AG (viele Hotelketten) erhalten hatte.

Dies ist aber nicht der einzige Vorfall in Sachen Klientelpolitik. Kommen wir zur Gesundheitspolitik. Koalitionsvertrag steht:
„Neben der gesetzlichen Krankenversicherung sind für uns die privaten Krankenversicherungen als Voll- und Zusatzversicherung ein konstitutives Element in einem freiheitlichen Gesundheitswesen. Wir werden bei den Wahltarifen der gesetzlichen Krankenversicherung die Abgrenzung zwischen diesen beiden Versicherungssäulen klarer ausgestalten“.

Schon im Koalitionsvertrag kann man raushören, was in Zukunft auf die Wählerinnen und Wähler zukommen wird. Was damals nur schemenhaft zu erahnen war, kommt nach 100 Tagen Regierung nach und nach zum Vorschein. Der bisherige stellvertretende Direktor des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV), Christian Weber, ist Leiter der Grundsatzabteilung des Bundesgesundheitsministeriums geworden. Dies hat nur eine Bedeutung, die Liberalen planen einen langsamen Einstieg in die Privatisierung der gesetzlichen Kassen. Auch hier zahlen sich Spendengelder für die Gönner aus.

Baden-Württemberg erneut ganz vorne!

Baden-Württemberg ist erneut ganz vorne! Ganz vorne im Steuerbetrug! …

Von den Bundesländern liegt Baden-Württemberg mit 2.418 Selbstanzeigen laut ‘Capital’ einsam an der Spitze gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit 1.930. Auf dem dritten Platz liegt Bayern mit 1.625, auf dem vierten Hessen mit 1.228 Selbstanzeigen und auf dem fünften Platz Rheinland-Pfalz mit 700. Selbst erfahrene Steuerprofis sind von diesen Zahlen überrascht: “Bei der Liechtenstein-Affäre hatten wir in Baden-Württemberg insgesamt nur 121 Selbstanzeigen”, erklärte Michael Grepl vom Finanzministerium Stuttgart gegenüber ‘Capital’. Jetzt seien es mehr als 20 mal so viele. Über die Höhe der hinterzogenen Steuern, die nun verspätet doch noch fließen werden, lässt sich zu diesem Zeitpunkt nur spekulieren. Nach Schätzungen von Steuer-Experten in den Ämtern dürften es wohl mehrere hundert Millionen Euro werden. Bislang haben die wenigsten Bundesländer die Anzeigen entsprechend ausgewertet. Baden-Württemberg gab an, dass rund 235 Millionen Euro an Erträgen nachgemeldet wurden.

(ddp)

NRW-CDU: Popcorn-Alarm!

Wenn man glaubt, es geht nicht mehr, kommt ein CDU-Krautscheid daher.

Nils Schmid: "Verantwortung für das Ganze – Dynamik sichert Wohlstand und Zusammenhalt"

[...] Wer in diesem Land in den Betrieben, in den Familien, in der Nachbarschaft, in den Vereinen mit den Menschen redet, der spürt: Sie fühlen sich wohl in diesem Land. Auch meine Familie und ich fühlen uns in diesem Land wohl. Aber die Menschen spüren auch ganz genau: Das Fundament dieses Wohlstands zeigt allmählich Risse. Sie spüren: Wir müssen uns anstrengen. Es gibt keinen anstrengungslosen Wohlstand! Denn die Landespolitik hat die vornehme Aufgabe, politische Führung zu zeigen und die notwendigen Herausforderungen, die in diesem Land stecken, offensiv anzunehmen, damit wir auch in Zukunft den Wohlstand sichern können. [...]

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Presseschau: "Schmid geht in die Offensive"

Der Ghostwriter des Jürgen R.

Es vergeht fast kein Tag mehr ohne Rüttgers-Skandal. Unglaublich. Das Wir-in-NRW-Blog leistet ganz fantastische Arbeit:

Diesen Staatsdienst an der CDU mochten schon damals äußerst korrekte Leute im Umfeld von Rüttgers nicht akzeptieren und fertigten von den Dokumenten diese Screenshots an. Die sind nun aufgetaucht. Und der Vergleich zwischen Manuskript und Veröffentlichung belegt, dass die Inhalte identisch sind. Der Regierungsangestellte im Rang eines Referatsleiters, Schmidt-Gernig, betätigte sich also als Ghostwriter für den CDU-Landesvorsitzenden Jürgen Rüttgers. Nicht für den Ministerpräsidenten, auf dessen Gehaltsliste er steht.

Andrea Nahles: Keinen Zwang ausüben

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NRW: Wie Paul Elmar Jöris einen schönen Kommentar kaputt recherchierte

Nochmal Hannelore Kraft und Hartz IV. Paul Elmar Jöris beschreibt im WDR-Landtagsblog, warum die Aufregung über Hannelore Kraft und Hartz IV völlig absurd ist:

Ich brauche nicht lange zu suchen, der Artikel bei Spiegel-Online ist schnell gefunden und die aufgeregten Reaktionen darauf ebenso. Jetzt gibt es nur ein Problem. Die Sensation ist keine. Die Forderung nach einem “gemeinnützigen Arbeitsmarkt” steht im SPD-Wahlprogramm, und zwar seit 2006. Es geht auch nicht darum, Hartz-IV-Empfänger zu einer solchen Arbeit zwangsweise zu verpflichten, sondern denjenigen, die aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen einfach keinen Job finden, selbst für einen Hungerlohn nicht, die Chance zu geben, etwas zu tun.

Lesen!

(via)

Tarnen, Tricksen, Täuschen. NRW-CDU.

(via)

Hannelore Kraft: Arbeit schafft Würde

Hannelore Kraft erläutert per Videobotschaft ihren Hartz-IV-Vorstoß:

Richtig so. Eben sozial und demokratisch. Ergänzend sei auf den Beschluss des SPD-Präsidiums verwiesen.