Schulleistungsvergleich – Baden-Württemberg ist spitze im Aussortieren!

In der letzten Woche veröffentlichte die Kultusministerkonferenz die Ergebnisse des Schulleistungsvergleiches. Diese Studie löst die Pisa-E-Studien ab, also die Studien, die gemeinsam mit den PISA-Daten erhoben wurden. Schulleistungsuntersuchungen gibt es in Deutschland aber nicht erst seit PISA, diese wurden schon in den 50ern erhoben. Doch die öffentliche Aufmerksamkeit erweckten erst die zum Teil schockierenden Ergebnisse der OECD-Studie PISA. Seit dem ersten PISA-Test im Jahr 2000 wurde auch nach jeder Veröffentlichung über das deutsche dreigliedrige Schulsystem diskutiert, welches im Ländervergleich nicht gut abschnitt.

Nach dem letzten PISA-Test beschloss die Kultusministerkonferenz unabhängig von PISA mit eigenen Bildungsstandards eine Schulleistungsuntersuchung in den Bundesländern durchzuführen. Getestet wurden die Leistungen in Deutsch und Englisch von 41.000 Neuntklässlern an 1500 Schulen. Das Ergebnis Bayern und Baden-Württemberg gehen als klare Siege aus dem Vergleich hervor. Laut Ergebnissen der Studie gibt es ein Leistungsgefälle zwischen dem Norden und dem Süden der Bundesrepublik.

Der Vergleich zeigt aber auch, dass es eine starke Abhängigkeit zwischen dem sozialem Hintergrund und dem Leistungserfolg der Kinder gibt. Ein Akademikerkind hat gegenüber einem Arbeitkind, bei gleicher Intelligenz und Lernvermögen eine 4,5 mal so hohe Chance ein Gymnasium zu besuchen.

Und genau an dieser Stelle zeigt sich wie spitze Baden-Württemberg tatsächlich ist. Nämlich spitze im Aussortieren und dem Unvermögen Kinder in ihren Fähigkeiten und Begabungen zu fördern. In Baden-Württemberg hat ein Akademikerkind eine 6,5 fache Chance ein Gymnasium zu besuchen als ein Arbeiterkind. Baden-Württemberg verliert demnach unzählige Kinder auf dem Bildungsweg und verbaut ihnen durch mangelnde Durchlässigkeit des Schulsystems fast jede Chance sich vom sozialen Hintergrund zu emanzipieren und einen höheren Schulabschluss zu erreichen.

 Der Zusammenhang von sozialer Herkunft und schulischem Erfolg ist für uns Jusos und SozialdemokratInnen alarmierend.

Wir fordern deshalb die Abschaffung des 3-gliedrigen Schulsystems, längeres gemeinsames Lernen und  individuelle Förderung von Kinder egal welcher Herkunft.

Dafür gilt es zu kämpfen bis zur Landtagswahl am 27. März 2011! – Damit Baden-Württemberg WIRKLICH spitze wird!

Luisa Boos

Stellvertretende Juso-Landesvorsitzende

Veröffentlicht von

Jusos Baden-Württemberg

Reihum bloggen an dieser Stelle die Mitglieder des Juso-Landesvorstandes und des LA-Präsidiums. Die Blog-Beiträge geben die persönliche Meinung des Autors/der Autorin wieder.

6 Gedanken zu „Schulleistungsvergleich – Baden-Württemberg ist spitze im Aussortieren!“

  1. verliert demnach unzählige Kinder auf dem Bildungsweg und verbaut ihnen durch mangelnde Durchlässigkeit des Schulsystems

    Das Schulsystem in Baden-Württemberg ist nicht undurchlässig. Das Ganze nur unter dem Blickwinkel „wer wechselt von einer Hauptschule oder Realschule auf ein Gymnasium“ zu betrachten, blendet berufliche Gymnasien, Berufsfachschulen, das Berufskolleg und weitere Möglichkeiten aus, eine Hochschulzugangsberechtigung zu erlangen.

    Der Zusammenhang von sozialer Herkunft und schulischem Erfolg ist für uns Jusos und SozialdemokratInnen alarmierend.

    Und was wollt ihr dagegen tun? Kinder gegen ihren Willen und den ihrer Eltern zum Abitur zwingen?

    Vor Beantwortung der Frage vielleicht mal die Übergänge auf Gymnasien nach Landkreisen aufgesplittet anschauen [1].

    Wenn man sich den Beitrag hier im blog durchliest, könnte man auf die Idee kommen, die böse Landesregierung würde Lehrern und Eltern vorschreiben, die Übergangsquoten auf keinen Fall zu gut werden zu lassen. Wenn ich mir mein (sicherlich sehr eingeschränktes) Umfeld anschaue, dann sind in vielen Fällen Entscheidungen und Wertvorstellungen von Eltern bestimmend.

    Im übrigen kann man auch mit großer Intelligenz und gutem Lernvermögen Zimmermann werden wollen.

    [1] http://www.statistik-bw.de/Veroeffentl/Monatshefte/PDF/Beitrag10_04_10.pdf

  2. Haben Ausgaben für Nachhilfe womöglich Einfluss auf Pisa/Vera Ergebnisse? http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2366322_0_9223_-baden-wuerttemberg-viel-geld-fuer-nachhilfe.html
    „Jede Statistik ist nur so gut wie man sie selbst gefälscht hat. …“, sprich, die Aussagekraft einer Statistik ist in hohem Maße abhängig von den Zahlen, die dieser zugrunde liegen.
    Heidelberg gibt im Vergleich viel für frühkindliche Bildung aus, Ulm hat einen SPD Oberbürgermeister, Tübingen einen von den Grünen, ein hoher Anteil an Akademikerfamilien in der Bevölkerung könnte ebenfalls ein Grund für die (in der Statistik-bw) genannten Zahlen sein.
    In meinem persönlichen Umfeld, stelle ich jedenfalls sehr wohl fest, das es einen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und schulischem Erfolg gibt und dass ohne ehrenamtlichen Engagement der Eltern, an vielen Schulen nicht viel geboten wäre.

  3. @PetraK

    das kann alles durchaus sein. Mich stören nur diese monokausalen Erklärungsversuche. Wenn man mal Rheinland-Pfalz als Gegenbeispiel nimmt (dort regiert seit 19 Jahren die SPD und seit 16 Jahren Kurt Beck), dann sind die Zahlen nicht viel besser. Und ob viele Eltern ihre Kinder lieber auf ein Berliner Gymnasium (dort gibt es das geringste soziale Bildungsgefälle) als auf eine baden-württembergische Realschule schicken würden, wage ich zu bezweifeln (kann mich aber natürlich täuschen).

    Man kann in diese Studien so ziemlich alles reinlesen, man muss sich einfach nur auf einen Teilbereich konzentrieren. Zum Beispiel der Abstand zwischen den besten 5 und den schlechtesten 5% in der Lesekompetenz[1]. Baden-Württemberg hat da 282 Punkte, Berlin 350 Punkte. Interessanterweise liegen die Spitzen recht nah beieinander (bei den besten 5% liegt Berlin sogar vor Baden-Württemberg), bei den schlechtesten 5% liegt Baden-Württemberg dann aber 58 Punkte vor Berlin.
    Da kann man dann rauslesen, dass sich Baden-Württemberg besser um die schlechten Schüler kümmert als Berlin (bei nahezu gleicher Ausländerquote, falls das jetzt als Argument angeführt werden sollte).

    [1] http://www.iqb.hu-berlin.de/aktuell/dateien/LV_ZF_0809b.pdf

  4. @Markus Ritter. Wobei ich den Vergleich mit Berliner Gymansien ebenfalls als monokausal bezeichnen würde. Die Qualität eines Berliner Gymnasiums hängt ja unter anderem vom Standort ab und da gibt es auf jeden Fall erhebliche Unterschiede. Selbst im Vergleich einer einzigen Schule kann es gravierende Leistungsschwankungen zwischen den Klassen geben (wenn z.B. in einer Klasse der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund größer ist). Auf Seite 22 unter Punkt 6.3. lese ich jedenfalls heraus, dass es doch soziale Disparitäten bei der Bildungsbeteiligung gibt.

  5. @PetraK: Das war auch so beabsichtigt (erster Satz im 2. Abschnitt).

    Was mich an den ganzen PISA/Pinguin/VERA-Studien etc. stört ist diese berechenbare Antwort aus der Politik. Die einen klopfen sich auf die Schulter, weil sie die besten in der Bundesrepublik sind, die anderen schauen, welches Land (mit dem von ihnen bevorzugten Schulsystem) denn am besten abgeschnitten hat und verweisen darauf …

    Es gibt ganz viele Gründe, warum Schüler eines bestimmten Landes gut abschneiden und Schüler eines anderen Landes schlecht. Klassenteiler, Schulsystem, Beherrschung der Landessprache, Bildungswille von Eltern und Schülern, Unterrichtstyp, Betreuung neben der Unterrichtszeit, staatliche Investitionen in die Bildung, Chancen auf dem Arbeitsmarkt …

    Ich vermisse momentan bei jeder Partei den Willen, das Problem in seiner Gänze anzupacken. Bastellösungen, in denen man einen kleinen Teilbereich von „PISA-Siegern“ kopiert, führen zu nichts.

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