Monatsarchiv für Juni 2010

 
 

DEMO-Kommunalkongress: Zusammenfassung Diskussionsrunde Zukunftswerkstätten

Qualifikation und Motivation für die bestehenden demokratischen Systeme erhöhen. Neue Beteiligungsformen ermöglichen. Mehr Demokratie wagen und Gemeinwohlorientierung gehören zusammen.

Kommunale Finanzwirtschaft anders denken. Städte brauchen eine eigene Stimme, Österreich-Modell überdenken. Zentrale Aufgabe für Städte ist gute Bildung für alle.

Bildung Familie, Gesundheit, Kultur für alle, das muss der Anspruch sein. Kommunalpolitik ist Experte für die Menschen für Ort.

Arbeit: Chancengleichheit schaffen in Bildung und Zugang zu Jobs. Unterschiedliche Milieus als Chance nutzen. Armut ist integrationsgeprägt.

Energie effizient nutzen, Vernetzung schaffen. Durch Einbindung der lokalen Wirtschaft lässt sich neue Akzeptanz schaffen.

Joachim Gauck: Überwältigende Unterstützung

DEMO-Kommunalkongress, Tag 2: Zukunftswerkstatt "Mit den Bürgern mehr Demokratie wagen"

Moderation: Dr. Lars Castellucci, SPD-Fraktionsvorsitzender Wiesloch, stellv. Landesvorsitzender der SPD Baden-Württemberg; Experten: Dr. Carsten Herzberg, Centre Marc Bloch, Berlin, Prof. Dr. Lars Holtkamp, Fernuniversität Hagen, Dr. Magnus Jung, kommunalpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im saarländischen Landtag, Ulrich von Kirchbach, Bürgermeister für Kultur, Jugend, Soziales und Integration der Stadt Freiburg.

Erste Stichworte: Bürgerbeteiligung bietet große Chancen; Frauen sind nach wie vor massiv unterrepräsentiert auf kommunaler Ebene (Anmerkung: das Podium besteht nur aus Männern); massiver Vertrauensverlust in die Institutionen erfordert Reaktionen. Politik muss mit Symbolen arbeiten, auf die Menschen hören. (Zur Veranschaulichung gab’s auch einen Witz, “Der Papst und die Juden”.)

Arbeitsgruppen: Land, Kommunen, Ortsverein, Fraktion, Stadtteil/Ortsteil.

In der Arbeitsgruppe: eine Bürgermeisterin und ein Bürgermeister von kleinen Gemeinden mit CDU-Mehrheit gegen sich, die Bürgerbeteiligung nutzen, um erfolgreich Politik zu machen, ein Oberbürgermeister-Referent, et al.

Erste Ergebnisse:
Braucht man Geld für Bürgerbeteiligung?
Nein, es geht auch so. Die Höhe des Budgets ist nicht entscheidend, es kommt auf die Prioritäten an.
Beteiligung muss unabhängig von der Kassenlage erfolgen.
Wichtig: Mandatsträger dürfen nicht das Gefühl haben, entmachtet zu werden.
Gerade wenn keine Mittel da sind, braucht man einen Bürgerhaushalt, da nur dann Sparmaßnahmen akzeptiert werden.

DEMO-Kommunalkongress: vier Oberbürgermeister stehen Rede und Antwort

Christian Ude: Die SPD-Fraktionen in den Kommunen sollten vor jedes geschlossene Schwimmbad, vor jede geschlossene Bibliothek, ein Schild stellen: diese Institution wurde geschlossen wegen der Zockerei an der Finanzmärkte.

Peter Kurz: Ein Teil der Kommunen hat noch die Möglichkeit, die nächsten 2-3 Jahre zu gestalten, für einen Teil gilt das schon heute nicht mehr. Aber: es gibt keine Selbstläufer. Man kann nicht einfach in Zukunftsprojekte investieren und Kleinigkeiten einsparen, dafür gibt es keine Akzeptanz im Alltag. Das “Prinzip Rasenmäher” ist deshalb nicht völlig falsch.

Aus dem Plenum: Wer ist zuständig? Bund, Land, Kommune? Wie und warum? Wie können wir Sprache und Tun in Einklang bringen?

Christian Ude: Es gab eine Zeit, in der jeder Redebeitrag nur noch mit Betroffenheitsgesülze und und Soziologenunsinn garniert wurde. Das gilt ebenso für die kritiklose Übernahme von Anglizismen. Es ist vor einer Illusion zu warnen: die Illusion heißt Anpassung. Einem Zeitzeugen über 80 ist wahnsinnig viel abzugewinnen, auch wenn er gesundheitlich angeschlagen ist, während ein “Smartie” nichts bringt. “Wir sollten nicht glatter werden, sondern authentischer.”

Hans-Jochen Vogel: Ich bin seit Jahrzehnten ein Anhänger der unmittelbaren Bürgerbeteiligung, gerade aus der Erfahrung in Bayern. Viele Entscheidungen waren nur möglich, weil eine Bevölkerungsmehrheit Entscheidungen der CSU-Mehrheit gekippt hat. Auch auf Bundesebene sollte es Volksabstimmungen geben.

DEMO-Kommunalkongress: Hans-Jochen Vogel und Christian Ude im Gespräch

DEMO-Kommunalkongress, Mannheim. Hans-Jochen Vogel und Christian Ude führen in vorzüglicher Art und Weise die Vor- und Nachteile von Kommunalpolitik aus, die Unterschiede zur “Großen Politik” und mehr.

Christian Ude meint, dass die SPD in den letzten Jahren den Dialog mit der Kommunalpolitik in hervorragender Art und Weise gesucht hat. Tiefensee, Steinbrück und Steinmeier seien zuverlässige Partner der Kommunen gewesen. “Den Aufbruch aus den Rathäusern gab es schon einmal, es ist aber in sträflicher Weise unter die Räder gekommen.” Leider habe die SPD die kommunale Partnerschaft davor aus den Augen verloren – nun ginge es aber wieder voran.

Ude: “Kommunalpolitiker sind nicht per se die besseren Politiker, aber sie müssen zwangsläufig dazu werden, um Mehrheiten in der Gesellschaft zu erreichen.”

Hans-Jochen Vogel berichtet über seine Erfahrungen als junger Bürgermeisterkandidat Münchens und seinen Erfolg. “Schon in den 60er Jahren war die Zahl sozialdemokratischer Oberbürgermeister außerordentlich hoch.”

Zudem stellte Vogel fest, dass der Wiederaufstieg der SPD natürlich an der guten Arbeit von Sigmar Gabriel und Frank-Walter Steinmeier liege, man solle jedoch nicht die “informellen Mitarbeiter” in der schwarz-gelben Koalition vergessen. (An dieser Stelle herzhaftes Lachen im Saal.)

Vogel: Schon in den 90er Jahren gab es Verluste auf kommunaler Ebene. Dass Vogel in die Bundespolitik gegangen ist, liegt vor allem daran, dass er die Mehrheit innerhalb der SPD München verloren habe. In Erstaunen versetzt ihn, dass die Wahlbeteiligung nicht nur bei Bundestagswahlen und Landtagswahlen sinkt, sondern auch auf kommunaler Ebene. Vorwahlen im amerikanischen Sinne sieht Vogel kritisch.

Vogel: “Gabriel, Nahles und Steinmeier machen ihre Sache hervorragend”, der Dresdner Parteitag sei viel besser gelaufen als erwartet. “Eine Partei muss sich nicht dafür schämen, das Gemeinwohl über das Parteiwohl zu stellen, das ist gute sozialdemokratische Tradition.”

Ude: Auf die FDP kann man nicht hoffen. Dass der CDU-Wirtschaftsrat eine sozialere Ausgestaltung eines Sparpakets anmahnt, passiere nur einmal in unserem Leben.

Vogel: “Das Empörendste, was diese Regierung bisher zustande gebracht hat, ist die Tatsache, dass den Schwächsten Milliarden abverlangt werden, während die Stärksten keinen Cent beisteuern müssen.” “Die Vermögensteuer muss in Gottes Namen endlich ein Thema werden.”

Schlusswort Vogel: Hätte nach dem Zweiten Weltkrieg jemand gesagt, wo Deutschland heute steht, man hätte ihn für verrückt erklärt. Soll heißen: nicht nur jammern, sondern auch anpacken.

KommunalCamp in Mannheim: Liveblog Teil 2

14:38 Uhr:
Die Sessions des zweiten Teils werden kombiniert, jetzt: Open Data. Gerade werden wir über die Planungen und Ideen der Stadt Frankfurt informiert mit dem Projekt Frankfurt gestalten.
Schwierigkeiten: Datenhandhabung in Deutschland noch nicht wirklich geregelt. Genutzt für “Frankfurt gestalten” wird ausschließlich Open-Source-Software, ebenso OpenStreetMap. Weitere Hintergrundinfos liefert ein Artikel bei netzpolitik.org vom 1. März 2010.

14:41 Uhr:
Debatte. Wie sind die Reaktionen? Warum werden existierende Daten nicht genutzt?
Statistiken sind kein öffentliches Gut, Projekt wird tendenziell ausgebremst. Deutschland sei hier noch “Entwicklungsland”. Muss die Verwaltung einen Mentalitätswandel vollziehen?

14:46 Uhr:
Fließender Übergang zum nächsten Thema: “Kampf der Kulturen”. Was will die Gemeinde, was wollen die Bürger? Wie ist ein Ausgleich zu schaffen?
Geschäftsordnung ändern, um Redebeiträge von Gemeindevertretern etc. online stellen zu können?
Wie mit Informationsmonopolen der Tageszeitungen umgehen? Inwieweit relativiert dies das “Google-Monopol”?

14:50 Uhr:
Zwischeneinschub: das Essen hier ist hervorragend. DEMO-Kongress macht gute Laune!

14:53 Uhr:
Wie Informationen bereitstellen? Ist Google eine Möglichkeit?
Einschub: in Baden-Württemberg sei viel online möglich. Vorreiter sei hier Heidelberg, als Gemeinderat kann man das auch beantragen.

15:01 Uhr:
Sollte mehr überparteilich debattiert werden? Wie? Vorwärts.de folgt anderen Parteien, Parteiaccounts nicht.
Spaltung in politischen und unpolitischen Freundeskreis?

15:12 Uhr:
Ist die Parteimühle überholt? Interne Diskussionen vs. Organisation? Facebook-Gruppen nur unter sich?

15:16 Uhr:
Juso-Gruppen, abschreckendes Beispiel: Seite/Gruppe gründen, dann jedoch keine Informationen einstellen.

15:20 Uhr:
Informationsüberflutung? Wie mit Informationen umgehen? Wie mit Social Networks umgehen? Fehlt es an Medienkompetenz? Wie kann Transparenz geschaffen werden, ohne zu überfrachten?

15:26 Uhr:
Interaktion und Transparenz vs. Außendarstellung? Was geht, was geht nicht?

15:45 Uhr:
KommunalCamp beendet, auf zum Kommunalkongress!

KommunalCamp in Mannheim: Liveblog

12:36 Uhr:
Das DEMO-KommunalCamp in Mannheim hat begonnen. Gerade stellen sich die Teilnehmer vor; anwesend sind Jusos, SPD-Mitarbeiter, Selbstständige. Die Sonne scheint, der Luisenpark ist grün.

12:38 Uhr:
Vorstellung der Sessions:
Session 1: Clash der Kulturen
Session 2: Frankfurt gestalten – Open Data
Session 3: Kommunalpolitik erleben
Session 4: Kommunale Bildungspolitik
Session 5: Facebook und Co. in der Kommunalpolitik: Fehler und Chancen

12:49 Uhr:
Ich nehme an der Session “Kommunale Bildungspolitik” teil. Jörg erläutert seine Beweggründe: was ist möglich, was kann man gestalten?
In Mannheim wird viel gemacht, bspw. Förderprojekt “MAUS”. Werkrealschulen ersetzen Hauptschulen komplett.

Welche weiteren Möglichkeiten bestehen? Bericht aus Darmstadt, Hessen: Projekt mit dem Ziel, Fluktuation von Darmstadt zu verhindern, ist völlig gescheitert.

13:00 Uhr:
Bericht aus dem Saarland: Grundschulen in den Dörfern und kleinen Gemeinden sterben nach und nach aus, da Schüler in große Gemeinden verlegt werden.

13:08 Uhr:
Schulschließung in Mannheim. Es wird Stadtteile geben, in denen es keine Schule mehr gibt. Proteste blieben durch gute Planung bisher aus. Projekt des SPD-Oberbürgermeisters.

13:12 Uhr:
Twitterwall ist übrigens hier: http://twitterwallr.com/koca10

13:13 Uhr:
Debatte über Ideologie der Schulpolitik: gibt es sie? Ist sie ausgeprägt? Wie wirkt sich die Verschuldung aus?

13:18 Uhr:
Wie soll sich die SPD aufstellen? Bildung, Finanzen, Verschuldung, Transparenz? Oberbürgermeister Mannheim Peter Kurz als positives Beispiel.

13:31 Uhr:
“Parteimühle” vs. Ideenreichtum? Bremsen die Parteien gute Ideen aus?

13:32 Uhr:
Erste Ergebnisse:

  • direkte Kommunikation
  • finanzielle Transparenz
  • Politik muss dargestellt werden
  • gegebene Gestaltungspotenziale ausnutzen (z.B. Schulkonferenz, Schulprogramm)
  • Lagerdenken zwischen Parteien und Gemeinden/Bezirken abbauen

Uwu Lena – Schland o Schland (Satellite Cover/WM-Song 2010)

McDonald's führt zusammen?

„Es ist gut dass das Restaurant genau an diesem Ort ist. Es führt noch mehr Menschen zusammen“, freut sich Hans Dietrich Genscher bei der Eröffnung von McDonald’s am Checkpoint Charlie. Nun kann er da ja hingehen, Geld für einen Auftritt bekommen oder sich einfach nur freuen. Aber eine politische Begründung für einen schlicht super lukrativen Geschäftsstandort konstruieren – peinlich!

Diashow: LDK Gesellschaft 2.0

Bilder: Dirk Baranek