Klare Alternative in der Bildungspolitik

Die Bildungspolitik ist die Kernkompetenz der Landespolitik. Auf diesem Feld hat die schwarz-gelbe Landesregierung in Baden-Württemberg seit Jahrzehnten den Stillstand organisiert. Einzige wirkliche Neuerung der letzten Jahre: Studiengebühren. Danke.

Die LehrerInnen und SchülerInnen, die Studierenden und ProfesorInnen, die BetreuerInnen und jungen Eltern wünschen sich einen Aufbruch und einen Wandel in der Bildungspolitik im Land. Marion Schick, die neue Kultusministerin hat schon klar gemacht, dass dieser Wandel mit ihr nicht passieren wird. Ganz im Gegenteil: unter Stefan Mappus als Ministerpräsident wird es für alle Betroffenen schwieriger, längeres gemeinsames Lernen und die Gebührenfreiheit durchzusetzen. Auch um das „Kinderland“ ist es still geworden, seit Mappus sich damit beschäftigt, auf Bundesebene den Ausstieg aus dem Atomausstieg voranzutreiben. Günter H. Oettinger hat wenigstens so getan, als sei er daran interessiert.  Bei der Union im Ländle bleibt in der Bildungspolitik also alles beim Alten. Eigentlich eine hervorragende Ausgangslage für die Opposition, um einen zugespitzten Wahlkampf zu führen, der klare Alternativen zur bisherigen Regierungspolitik aufzeigt. Doch im Moment scheint die SPD im Land noch etwas Angst vor der eigenen Courage zu haben. Man will den WählerInnen keine Angst machen. Konservative Baden-WürttembergerInnen nicht verschrecken. Bloß nicht zu viel Veränderung.

Es ist sicher richtig, dass die SPD einen Stil für den Wahlkampf gewählt hat, der zuerst aufs Zuhören setzt, auf Dialog und das gemeinsame Erarbeiten von Positionen. Eines darf man dabei aber nicht vergessen: wir führen einen Wahlkampf. Die Menschen erwarten von der SPD nicht nur, dass sie die Ziele beschreibt, die sie mit der Bildungspolitik verfolgt. Die Menschen erwarten eben auch, dass man einen konkreten Weg skizziert, wie man diese Ziele erreichen will. Und diese Antwort muss die SPD 2011 auch geben. Ganz konkret: es wird nicht ausreichend sein, wenn die SPD bei der Frage der Schulstruktur nur darauf verweist, dass die kommunale Ebene mehr Einfluss haben soll. Richtungsentscheidungen hin zu mehr gemeinsamen Lernen muss die Landespolitik treffen. Die zu treffenden Richtungsentscheidungen (Gebühren, Mitbestimmung, Betreuung, Investitionen) muss die SPD klar entscheiden. Als Jusos werden wir darauf pochen, dass die SPD dabei eine klare Alternative zur konservativen Bildungspolitik bietet. Wir wollen nicht ein bisschen mehr Gerechtigkeit, wir wollen viel mehr Gerechtigkeit im Bildungssystem und damit auch in der Gesellschaft.

2006 hat es die SPD schon einmal mit einem weichgespülten Bildungskonzept bei den Landtagswahlen versucht. Jetzt muss es heißen: zu den eigenen Überzeugungen und Beschlüssen stehen und schwarz-gelb Kontra geben!

Frederick Brütting, Juso-Landesvorsitzender

Veröffentlicht von

Jusos Baden-Württemberg

Reihum bloggen an dieser Stelle die Mitglieder des Juso-Landesvorstandes und des LA-Präsidiums. Die Blog-Beiträge geben die persönliche Meinung des Autors/der Autorin wieder.

2 Gedanken zu „Klare Alternative in der Bildungspolitik“

  1. längeres gemeinsames Lernen

    Könnte mir mal jemand in einfachen Worten erklären, was das bringen soll. Möglichst ohne auf die Erfahrungen anderer Länder zu verweisen, dazu sind die sonstigen Umstände viel zu unterschiedlich.

    Es gibt am Ende der 4. Klasse Lernstandsunterschiede von bis zu einem Jahr. (Interessanterweise hauptsächlich in Bundesländern mit SPD-Regierung, aber lassen wir das mal aussen vor).
    Wenn man das ganze auf 6 Jahre verlängert ist es in vielen Fällen nicht so, dass sich diese Lücke schliesst, sondern dass sie noch weiter aufklafft, weil das, was die Kinder mit dem Lernrückstand eigentlich lernen sollten, gar nicht mehr behandelt wird, sondern darauf aufbauender Stoff.

    Vorrangig sollte meines Erachtens daran gearbeitet werden, diese Lücke zu verkleinern und zwar nicht dadurch, dass man den lernstarken Schülern einfach weniger vorsetzt, sondern dadurch, dass man ein umfassendes Konzept hat, welches schon vor der Grundschulzeit beginnt.

    Wenn man nicht darauf aus ist, starke Schüler zu behindern, sondern schwachen zu helfen, ebenfalls einen hohen Bildungsabschluss zu erreichen, dann finde ich das baden-württembergische System (mit allen Schwächen die es hat) momentan am überzeugendsten.
    Es gibt zwar die Dreiteilung nach der 4. Klasse und die Übergänge in „höherklassige“ Schulen sind gering, allerdings ermöglicht das System über berufliche Gymnasien, Berufskollegs, Berufsfachschulen und Berufsoberfachschulen vielfältige Möglichkeiten, am Ende eine Studienberechtigung zu erlangen, auch wenn man nach der 4. Klasse in eine Werkrealschule oder Realschule gewechselt hat.

  2. Sehr guter Blog.

    Gerade die neuen Umfragewerte zeigen, dass eine rot-grüne Mehrheit in Baden-Württemberg und damit auch eine andere Bildungspolitik möglich ist.

    Wir brauchen dazu eine klare Alternative zur aktuellen Bildungspolitik verbunden mit der Aussage das diese Politik weder mit der CDU noch mit der FDP möglich ist.

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