Warum die SPD für einen Untersuchungsausschuss stimmen sollte
Die Geschehnisse im Schlosspark in Stuttgart am vorvergangenen Donnerstag haben uns alle fassungslos gemacht. Die Bilder der Polizeigewalt wurden weltweit gesendet. Die Lage ist eskaliert.
Ich scheue mich davor zu sagen, dass der Polizeieinsatz unverhältnismäßig war, denn das trifft es nicht. Er war brutal!
Wasserwerfer gerichtet auf friedliche Demonstrierende, Einsatz von Pfefferspray gegen Kinder, viele Verletzte und noch mehr traumatisierte Menschen. Das muss politische Konsequenzen haben!
Die Grünen haben nun einen Untersuchungsausschuss zur Aufklärung des Einsatzes gefordert. Ein Schritt, den die SPD eigentlich begrüßen und dem sie sich anschließen sollte. Der heutigen Presseerklärung der SPD-Fraktion ist aber zu entnehmen, dass die SPD einen anderen Weg einschlagen will. Unsere Parlamentarier möchten die zeitliche Verzögerung, die die Einrichtung eines Untersuchungsausschusses mit sich bringt, umgehen, indem sie Fragen an die schwarz-gelbe Landesregierung stellt.
Dazu erklärt Fraktionschef Claus Schmiedel: „Innenminister Rech muss sich jetzt seiner politischen Verantwortung stellen und die offenen Fragen müssen jetzt aufgeklärt werden – nicht erst in einigen Monaten.“
Ich gebe Claus Schmiedel insofern recht, dass diese offenen Fragen schnellstmöglich geklärt werden sollten. Nur bin ich bei der Wahl der Methode wenig optimistisch.
Oder mal ganz ehrlich, wer glaubt daran, dass die Antworten (wenn sie kommen) andere sein werden, als das, was wir in den letzten beiden Wochen den Medien entnehmen konnten? Wer glaubt daran, dass dadurch alle offenen Fragen zur Gewalteskalation beantwortet werden?
Anders gefragt: Wer glaubt daran, dass irgendjemand in der Landesregierung bei der Beantwortung der Fragen der SPD plötzlich erkennt, dass Fehler gemacht wurden? Wer glaubt daran, dass die verantwortlichen Personen zu dieser Erkenntnis gelangen und diese sie dazu bewegt, politische Konsequenzen zu ziehen?
Ja, wahrscheinlich niemand.
Deshalb sollte die SPD ihren Kurs der Versöhnung beibehalten und sich zudem für einen Untersuchungsausschuss einsetzen. Diese Aufklärung ist nötig, denn Menschen wurde Gewalt angetan.
Der Frage-Vorstoß der SPD darf nämlich auch keinen Untersuchungsausschuss verzögern. Denn genau das wäre das Ergebnis des aktuellen Kurses.
Luisa Boos
Stellvertretende Juso-Landesvorsitzende


