Die „Komma-Frage“

Ein Gastbeitrag zur sog. „Komma-Frage“ von Christian Steg, wissenschaftlicher Mitarbeiter von Josip Juratovic MdB:

Die parlamentarische Sommerpause des Bundestages hat begonnen. Nun können sich die in Berlin verbliebenen Stallwächter den grundlegenden Fragen zuwenden: Beispielsweise der umstrittenen „Komma-Frage“. MdB – das steht für Mitglied des Deutschen Bundestages. Häufig wird diese Abkürzung als Namenszusatz verwendet. Doch steht zwischen Name und „MdB“ nun ein Komma oder nicht? Heißt mein Arbeitgeber Josip Juratovic MdB oder doch Josip Juratovic, MdB? Wer sich im politischen Berlin bewegt, wer sich die Homepages verschiedener Abgeordneter im Internet ansieht, der findet keine eindeutige Antwort auf diese Frage.

In den vergangenen Jahren habe ich mit vielen Kolleginnen und Kollegen, Bürgerinnen und Bürgern unseres Landes darüber diskutiert. Argumente gibt es für beide Schreibweisen. Einerseits: MdB ist eine Abkürzung. Und weil beim Ausschreiben auch ein Komma zwischen dem Namen und der Bezeichnung steht, gilt gleiches auch für die abgekürzte Bezeichnung. Andererseits: Dieses Komma widerspricht ästhetischen Kriterien, vor allem wenn nach dem MdB im laufenden Text ein weiteres Komma eingefügt wird. Wobei sich auch Komma-Befürworter auf ästhetische Aspekte berufen.

Meine persönliche Einstellung ist geprägt von Harald Friese, Heilbronner Bundestagsabgeordneter von 1998 und 2002. Harald Friese ist Jurist. Er war Mitglied des Innenausschusses. Für ihn gibt es kein entweder oder. Für ihn gibt es nur „ohne Komma“! Denn MdB ist ein Namenszusatz, und der wird nicht durch ein Komma vom Namen getrennt. Genauso wie der „Dr.“ oder der „Dr. h. c.“, zum Beispiel Dr. Nils Schmid MdL (Landtagsabgeordnete betrifft dies ebenso!) oder Dr. h. c. Gernot Erler MdB. Harald Friese trägt seine Argumentation bei Bedarf sehr leidenschaftlich vor. Also dann, wenn doch irgendwo das Komma auftaucht. Viele Genossinnen und Genossen aus Heilbronn und der näheren Umgebung hat er damit überzeugt.

Weil Harald Frieses Appell (leider) nicht bundesweit erhört wird, griff ich heute zum Telefonhörer und rief dort an, wo man es wissen muss: Bei der „Hotline W“ der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages. Dort entstehen nicht nur wichtige Passagen für Dissertationen, vielmehr weiß die geballte Kompetenz von etwa 300 Experten eine Antwort auf jede politisch relevante Frage. Oder sie weiß zumindest, wer der richtige Ansprechpartner für eine spezifische Frage ist. Bei mir war der Ansprechpartner die „Gesellschaft für deutsche Sprache“, die einen Redaktionsstab beim Deutschen Bundestag unterhält. Doch auch dort erhielt ich keine umgehende Antwort, sondern einen Rückruf nach etwa zwei Stunden Recherche:

Alles geht! Das war dann die Antwort. Sowohl ohne Komma, als auch mit Komma, als auch in Klammern (MdB). Die Sprachexperten haben zahlreiche Kontakte spielen lassen, Meinungen eingeholt und alles abgewogen: Ihre Empfehlung lautet „ohne Komma“, weil dies tendenziell häufiger verwendet wird. Also keine klare Ansage. Ich empfinde nur sehr wenig Genugtuung dafür, dass ich bislang die empfohlene Variante verwendet habe. Schließlich hatte ich eine klare Positionierung für „ohne Komma“ erwartet. Gewichtige Gründe sprachen aber dagegen: Das beim Bundesministerium des Innern angesiedelte „Protokoll Inland“ empfiehlt, das Komma zu verwenden. Wenngleich der mittelbadische SPD-Kreisvorsitzende Jonas Weber seinem gebundenen Duden entnimmt, dass ausschließlich die Variante „ohne Komma“ korrekt sei, so gestattet die Duden-Redaktion in ihrer Online-Version (http://www.duden.de/rechtschreibung/MdB) mittlerweile auch die Variante „mit Komma“.

Eine weitere Erkenntnis: Ein ehemaliges Mitglied des Deutschen Bundestages verliert seinen Namenszusatz und darf sich nicht MdB a. D. nennen; dies ist Beamten und Mitgliedern der Exekutive (also etwa den Ministern und Staatssekretären) zugestanden, nicht jedoch den Abgeordneten. Die müssen auf Hilfskonstruktionen zurückgreifen, beispielsweise: „Harald Friese, ehemaliges Mitglied des Deutschen Bundestages“ – und hier stelle auch ich das Komma nicht infrage.

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