Das Ende der FDP

Etablierte und demokratische Parteien zu verabschieden, ist unschön. Es mag verwundern, dass man solche Worte von Parteiengängern anderer Parteien hört, aber Parteien, die sich ausschließlich nur noch mit sich selbst beschäftigen, sich verbal zerlegen, denen die Themen verschütt gegangen sind, die ausgeblutet sind und die keine Führungsstärke mehr aufweisen, erzeugen viel Hybris. Fragezeichen. Enttäuschte Menschen. Fehlende Führung.

Es ist schon atemberaubend, wie sich eine Partei, die immerhin noch eine Regierungspartei ist, sich derart in Grund und Boden arbeiten konnte, wie das die FDP in den vergangenen zwei Jahren getan hat. Und es wäre zu einfach, das alles den Zitaten der „spätrömischen Dekadenz“ eines Guido Westerwelles anzulasten oder der „Boygroup“, bestehend aus den Herren Rösler, Lindner und Bahr. Denn letztlich krankt die FDP daran, dass sie es jahrelang versäumt hat, programmatisch an sich zu arbeiten und am Markenkern der FDP und der liberalen Politik zu hegen und zu pflegen. Liberale Politik ist nicht der sture Gesang nach populär verkäuflichen Steuersenkungen, liberale Politik ist der Versuch, dem Staat so wenig Staat wie möglich anzugedeihen. Aber dennoch so viel wie nötig.

Liberale Politik kann man sehr gut als eine korrektive Politik verstehen, die den Staat da nachjustiert, wo er zu „aufdringlich“ ist und das in ihre politische Arbeit als zentralen DNS-Code ansieht. Verbunden mit der Idee einer freiheitlichen Weltanschauung und einer starken Wirtschaftspolitik kann man liberale Politik eigentlich gar nicht versemmeln, im Land des Mittelstandes, im Land der Tüftler und Denker, im Land, das schon immer eine politische Mitte kannte.

Doch, man kann offensichtlich. Dazu muss man es sich offenbar einfach mit allen verscherzen und glauben, dass der Bürger einem alles durchlässt, wenn man einfach hin und wieder eine Steuersenkungsdebatte lostritt. Das ist nicht einfach nur frech, das ist bitter. Auch liberal denkende Menschen in der SPD (ja, sowas gibt’s) sind über die Art und Weise, wie liberale Politik herunterdividiert wird, nicht besonders glücklich (und auch das gibt’s).

Parlamente leben von der Vielfalt. Mit jeder etablierten Partei weniger geht Kompetenz und Diskussionspotential verloren. Es ist nicht gut, was die FDP da mit sich macht. Für niemanden.

Was würde eigentlich Gott zu Angela Merkel sagen?

Ich unterstelle unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel einfach grundsätzlich einmal, dass sie den Zenit ihrer politischen Karriere schon seit einiger Zeit überschritten hat. Die politische Erfolgsliste dieser Regierungsperiode ist nach wie vor herzlich kurz, alle mittelmäßig entzündlichen Schimpfwörter sind zwischen den Regierungsmitgliedern ausgetauscht worden, die größten politischen Gegner in Bund und Land bereits in harmlose politische Ämter oder in die Wirtschaft abgeschoben.

Eigentlich ist, aus Sicht von Angela Merkel, alles getan, was man tun kann. Und genau das vermittelt Angela Merkel auch genau so in die Bevölkerung. Was geht mich der Scheiß anderer Leute an, wenn die Hütte brennt, sind es doch sowieso immer die anderen. Vermutlich mit diesem Hintergedanken hat Angela Merkel gestern eine sehr denkwürdige Äußerung in die Blöcke der Journalisten diktiert, die sehr viel darüber aussagt, wie christlich-demokratische Politik offensichtlich funktioniert:

„Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass in einem Kernkraftwerk schwierige Ereignisse stattfinden, wahrscheinlich eine Kernschmelze“, sagte sie und betonte aber auch: „Die Vorgänge werden Deutschland nach menschlichem Ermessen nicht beeinflussen. Sie zeigen aber auch, dass es Kräfte der Natur gibt, vor denen wir machtlos stehen und die von uns immer wieder ein Stück Demut erfordern“, sagte sie weiter. „Wir sollten Ehrfurcht haben vor der Natur, denn wir wissen, dass wir auch ein Stück weit in Gottes Hand sind.“
— FOCUS Online, 12. März 2011: „Atomunfall: Merkel bittet zum Krisengipfel

Gottes Hand. Bei der Kernenergie. Mit der Gott ja per se erst einmal nichts zu tun hat, da Gott selbst Uran nicht anreichert, in einen kritischen Zustand bringt und versucht, damit Strom zu erzeugen. Ebenso wie Gott auch keine Politik macht … ja, ich weiß, jetzt kommt Gegenwind, aber mein Totschlagargument kommt jetzt … und zumindest nicht selbst in Polittalkshows auftritt.

Wir merken an: Wenn die Hütte brennt und jedes Argument nicht mehr zieht, dann hat Gott Schuld. Wenn die Kernkraft nicht tut, wie sie soll, hat Gott die Finger im Spiel, da kann man halt nichts machen. Und das sagt, Achtung, gut aufpassen, eine Bundeskanzlerin Angela Merkel, die in ihrem ursprünglichen Beruf Wissenschaftlerin der Physik ist. Also jemand, der grundsätzlich in seiner Tätigkeit die Existenz Gottes infrage stellen muss und das in der Regel auch sehr gern tut.

Ich bin kein gläubiger Mensch, deshalb kann ich mich nicht sonderlich gut über Merkels Verweis auf Gott aufregen. Wäre ich aber ein gläubiger Mensch – und zwar unabhängig, ob Christ oder Moslem – würde ich es mir verbitten, meinem, unseren Gott die Schuld dafür in die Schuhe zu schieben, wenn ein konservativer und korrupter Haufen von halbbegabten Politikern nichts besseres zu tun hat, als bereits seit Jahren abgeschriebene Kernkraftwerke einfach so weiterlaufen zu lassen, als ob nichts passiert wäre und sich dann noch in die atemberaubende Feststellung versteigt, dass eben Gott die Schuld hat, wenn der Laden in die Luft geht.

Liebe Angela Merkel: Deine Zeit als Bundeskanzlerin ist herum. Und du hast es schon selbst bemerkt, das macht den Abschied um so leichter.

Vom Intellekt von Einwanderern und so manchen Politikern

Migration ist und bleibt immer ein Thema, mit dem die CDU nicht unverkrampft umgehen kann. Das hat vielschichtige und in vielen Fällen unglaublich banale Gründe, im Grunde genommen ist es aber die Angst davor, dass die so genannte deutschstämmige Gesellschaft Schaden nimmt, wovon auch immer. Es ist gesellschaftlich schlicht falsch, zu glauben, dass Deutschland noch nie kein Einwanderungsland gewesen wäre. Ohne Einwanderung wäre ein Großteil der wirtschaftlichen Kompetenz, die Deutschland in die Welt ausstrahlt, schlicht und einfach nie entstanden. Und die Gastarbeiter der ersten und zweiten Generation haben diese Leistung vornehmlich zu teilweise unsäglichen Konditionen und ohne Aufmucken getan. Es kann und darf gar nicht anders sein, als auch Menschen die Möglichkeit zum Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft zu ermöglichen und sie gar dazu einzuladen, wenn man sich der tatsächlichen Verantwortung einer vernünftigen und vor allem nachhaltigen Einwanderungspolitik stellen will.

Aktuelles Beispiel (Artikel bei SPIEGEL Online): Peter Trapp (CDU), der einen Intelligenztest für Zuwanderer fordert und CSU-Politiker Markus Ferber, der bei diesem Thema darauf verweist, dass Kanada bei der Einwanderung von Kindern darauf pocht, dass diese einen höheren Intelligenzquotienten vorweisen müssen, als das durchschnittliche kanadische Kind.

Nur der Dumme, um mal auf die saloppe Art zu kontern,  fordert von anderen eine höhere Intelligenz, wenn es um gesellschaftliche Partizipation geht, denn eine funktionierende Gesellschaft besteht nicht nur aus Intellektuellen, sondern auch aus einfacher gestrickten Menschen. Ein Phänomen, das übrigens nicht nur Migranten „befällt“, denn geringere Intelligenz ist nicht einfach nur eine Krankheit oder ein einfaches Ausschlusskriterium, sondern Intelligenz ist ein Zustand, mit dem eine aufgeklärte Gesellschaft umgehen und bei der sie ohne Ausnahme daran wirken muss, Intelligenz aller Menschen zu fördern. Sei es im eigenen Land, aber eben auch im Ausland. Eine echte Entwicklungshilfe (also „echt“ im Sinne von „keine Entwicklungshilfe im Sinne eines Dirk Niebels“) ist nichts anderes als Vermittlung von Intelligenz vor Ort.

Und das müssen wir zwangsläufig allein aus demografischen Gründen. Schon in wenigen Jahren beginnen die Jahrgänge der „Baby-Boomers“, in den Ruhestand zu wechseln und damit Bezieher von staatlichen Renten zu werden. Dem gegenüber stehen in erster Linie die späteren Jahrgänge, die aus immer weniger Menschen besteht. Zwar hat man mit der Heraufsetzung des Rentenalters auf 67 Jahre versucht, dem Rechnung zu tragen, doch ist diese Rechnung nicht viel mehr als ein paar Tropfen auf einem heißen Stein, der immer heißer wird, je mehr geburtenschwache Jahrgänge immer mehr länger lebende Rentner bezahlen müssen. Darüber wird kaum geredet, obwohl es in den nächsten Jahren das zentrale Thema sein wird. Und vor allem das Thema, bei dem kurz- und mittelfristig ohne Einwanderung gar nichts mehr läuft.

Dazu kommt, dass die Arbeit ja auch nicht einfach weniger wird. Es werden zwar tendentiell einfache Stellen wegfallen und im Ausland eine neue Heimat finden, allerdings gibt es genügend Berufe – beispielsweise im Dienstleistungssektor – die sich nicht einfach im Ausland ansiedeln lassen. Und den Bedarf an hochqualifizierten Berufen muss man letztendlich auch irgendwie noch decken.

Und last but not least kommt noch hinzu, dass Deutschland neuerdings auch noch damit zu kämpfen hat, dass die Zahl der Auswanderer über der von Einwanderern liegt. Das hat vor allem damit zu tun, dass Deutschland in der Attraktivität offensichtlich gesunken ist. Der einfache Mensch würde sich über das „Gesindel“ vielleicht sogar freuen, aber genau diese sinkende Attraktivität ist die größte Gefahr in diesem Minusgeschäft, das es jetzt schon darstellt.

Wo müssen wir deshalb hin: Es geht gar nicht um so Dinge wie Intelligenztest zur Einbürgerung – ganz im Gegenteil. Es wird schon in verhältnismäßig kurzer Zeit eher darum gehen, wie wir überhaupt Menschen dazu bewegen können, nach Deutschland einzuwandern und wie wir ihnen möglichst adäquat eine vernünftige Ausbildung und eine nachhaltige Partizipationsmöglichkeit in dieser Gesellschaft ermöglichen können, um sie dann auch dauerhaft in diesem, unserem Land halten zu können.

Tatsächlich muss man aus diesem Blickwinkel und im Hinblick auf der immer noch nicht vorhandenen Migrationspolitik der CDU und dann noch so Äußerungen von Unionshinterbänklern zur Feststellung kommen, dass CDU/CSU mit dieser Thematik immer noch heillos überfordert ist und möglicherweise niemals in der Lage sein wird, gegenüber Einwanderung und Integration einen halbwegs sinnvollen und vor allem gemeinschaftlichen Weg einzuschlagen. Mit zwei konservativen Parteien, die die Einwanderungsattraktivität von Deutschland unfassbarerweise mit der von Kanada vergleichen und offensichtlich dem Glauben verfallen sind, dass die Dummheit aus dem Ausland den Intellekt im eigenen Land beschmutzt, ist kein Land zu machen, wenn dieses Land nicht irgendwann einfach ohne Bevölkerung dastehen soll.

In eigener Sache: Blog-Workshop.

Eine Ansage in eigener Sache: Am Mittwoch, 29. Juli 2009, findet in der Landesgeschäftsstelle des SPD-Landesverbandes Baden-Württemberg (Wilhelmsplatz 10 in Stuttgart) ab 18 Uhr ein Blog-Workshop statt, zu dem wir gern alle SPD-BaWü-Blog-Schreiber einladen möchten. Ziel des Workshops ist eine technische und konzeptionelle Planung mit dem Schwerpunkt auf einem „Drehbuch“ für die nächsten Wochen und Monate.

Genossen, die gern teilnehmen möchten, werden um eine kurze Voranmeldung per E-Mail unter internet@spd-bw.de gebeten.

Gert Hager ist neuer Oberbürgermeister in Pforzheim.

Na also, wir können es also doch noch: Gert Hager (SPD) ist gestern im zweiten Wahlgang der Oberbürgermeisterwahl zum neuen Oberbürgermeister Pforzheims gewählt worden. Und das mit einem Erdrutschsieg von 60,2 % gegenüber 39,4 % von Amtsinhaberin Christel Augenstein (FDP).

Nicht ganz unwichtig an diesem äußerst deutlichen Sieg ist aber, dass nicht nur Christel Augenstein die Quittung für einen in den letzten drei Wochen immer unsachlicher geführten Wahlkampf bekommen hat, sondern auch die Herren Landtagsfraktionsvorsitzenden Stefan Mappus (CDU) und Hans-Ulrich Rülke (FDP). Beide hatten sich, wie berichtet, in den Wahlkampf des entscheidenden Wahlganges eingeschaltet, die Stadt mit einer neuen Plakatwelle bepflastert und aus allen Rohren eine negative Kampagne nach der anderen herausgeschossen. Dementsprechend hat man gestern Abend im so genannten “bürgerlichen Lager” im Rathaus aus der Wäsche geschaut.

Sehr deutlich haben nun gestern die Pforzheimer Wählerinnen und Wähler klargestellt, dass solche negativen Aktivitäten nicht zum Erfolg führen. Das ist insofern schade für Frau Augenstein, die diese Behandlung vom "Rollkommando" aus Stuttgart nicht verdient hat. Andererseits ist es, und da lehne ich mich durchaus gern aus dem Fenster: Zeitgeist. Bleibe fair und du wirst fair behandelt. Vielleicht nicht vom Gegenkandidaten, aber auf jeden Fall vom Wähler.

Warum ich anfangs schrieb, dass wir es doch noch können: Die Unterstützung von gestandenen Genossen aus Pforzheim und sogar aus der Region war atemberaubend und berührend. Wenn es auf etwas ankommt und an einer Stelle Genossen unbürokratische Hilfe brauchen, dann funktioniert die SPD tadellos und ohne viel Worte. Im Enzkreis hat beispielsweise der Vorstand des OV Königsbach-Stein mit einem Vorstandsbeschluß (!) beschlossen, das Team um Gert Hager offiziell mit einem Infostadt in Pforzheim zu unterstützen. Die Genossen sind dann an zwei Samstagen tatsächlich nach Pforzheim gefahren, haben den Infostand geschmissen und gezeigt, wo der Hammer hängt. Das ist Solidarität.

Der bürgerliche Zahn wackelt.

Ein kurioses Schauspiel erlebt der an kommunaler Politik interessierte Bürger derzeit in Pforzheim im Rahmen des dortigen Wahlkampfes zur Oberbürgermeisterwahl. Dort tobt nach dem ersten Wahlgang nun ein Rennen zwischen der derzeitigen Amtsinhaberin Christel Augenstein (FDP) und dem von der SPD unterstützten Herausforderer Gert Hager.

Christel Augenstein ist seit 2001 im Amt, das maßgeblich einem Kunstprodukt der CDU Pforzheim, dem so genannten „bürgerlichen Lager“ zu verdanken ist. Als sich damals im Jahr 2001 herauskristallisierte, dass die CDU Pforzheim zur damaligen Oberbürgermeisterwahl keinen eigenen CDU-Kandidaten in das Rennen gegen den damaligen SPD-OB Dr. Joachim Becker schicken wollte/konnte, unterstützte die CDU Pforzheim unter dem damaligen und heutigen Kreisvorsitzenden Stefan Mappus Frau Augenstein. Die OB-Wahl fiel dann völlig überraschend auch zugunsten von Augenstein aus.

Ob Christel Augenstein rückblickend gut oder weniger gut für Pforzheim war, sei dahingestellt. Fakt war, dass sich Christel Augenstein sich offenkundig immer stärker in die Rolle der Gehetzten von der stark dominierenden CDU-Fraktion im Pforzheimer Gemeinderat, die zusammen mit der FDP-Fraktion eine bequeme Mehrheit hatte, drängen ließ und man sich als Bürger schon gelegentlich fragen durfte, wer eigentlich Kraft seines Amtes in Pforzheim die Gestaltungshoheit hat.

Diese Zögerlichkeit Augensteins, die sich sogar bis zur Verkündung, ob sie sich für eine weitere Amtsperiode zur Wahl stellen lassen wollte, fraß,  war Anfang des Jahres ein ausschlaggebender Punkt für den Bürgermeister Gert Hager, den Hut in den Ring der Oberbürgermeisterwahlen 2009 zu werfen. Wer nun dachte, dass der Wahlkampf beginnt, fühlte sich getäuscht.

Christel Augenstein hat, man muss es so deutlich konstatieren, ihren Wahlkampf bisher weitgehend verhagelt. Ein junges, weitgehend unerfahrenes Wahlkampfteam unter der Wahlkampfleitung von Augensteins persönlicher Referentin, die gleichzeitig pikanterweise auch noch im Vorstand der CDU Pforzheim sitzt, organisierte einen ausgesprochen drögen und langweiligen Wahlkampf, der sich weitgehend auf die altbackene Masche der Amtserfahrung und vermeintlich geleisteten Dinge stützte und damit einen rückwärtsgewandten Wahlkampf darstellte. An so rückwärtsgewandte Wahlkampfstrategien kann man sich herantrauen – wenn man eine gute Bilanz vorweisen kann und weiß, wie es geht.

Sie wussten es nicht und begangen strategische Fehler von Anfang an. Den furiosen Start machte ein bemerkenswerter „Maulkorb“, der allen städtischen Mitarbeitern im Bezug auf Äußerungen zur Oberbürgermeisterwahl auferlegt wurde, logischerweise aber nicht für ihre persönliche Referentin und Wahlkampfleiterin gelten konnte und aus diesem Grund mal eben für Wochen beurlaubt wurde. Neben vielen weiteren Fehlern kam ein weiterer Hammerschlag vor einigen Wochen, als die Personalverwaltung der Stadt in ungewöhnlich harschem Ton den Mitarbeitern der städtischen Kindertagesstätten die Teilnahme an Warnstreiks mit dem Hinweis, dass so eine Teilnahme disziplinarische Maßnahmen zur Folge haben könnte, vergällen wollte und sich damit einen öffentlichen Schriftwechsel mit der Gewerkschaft ver.di einhandelte.

Kurzum: Die Quittung für einen völlig vergeigten Wahlkampf einer Gehetzten gab es am vergangenen Sonntag: Herausforderer Gert Hager fuhr mit dem Ergebnis von 43,8 Prozent einen Etappensieg ein, während Christel Augenstein mit 40,3 Prozent klar den Amtsbonus verlor. Die restlichen 15,8 Prozent verteilten sich auf die weiteren zwei Kandidaten und sonstige. Auch deshalb konnte kein Kandidat die erforderliche absolute Mehrheit erringen, so dass es nun zu einem zweiten Wahlgang am 28. Juni kommt.

Das so genannte bürgerliche Lager beginnt nun zu rotieren und führt absonderliche Aktivitäten zu Tage, die so eigentlich auch nur bei uns im Ländle möglich sind und an einen Komödienstadl erinnern:

  • Stefan Mappus, Kreisvorsitzender der CDU Pforzheim und CDU-Fraktionsvorsitzender im baden-württembergischen Landtag erklärte offensichtlich den OB-Wahlkampf der FDP-Amtsinhaberin in seiner Heimatstadt nun zur Chefsache: Der bisherigen Wahlkampfleiterin wurde der stellvertretende Pressesprecher der CDU-Landtagsfraktion (!) beigestellt, der sich hierzu spontan „drei Wochen Urlaub“ nahm. Dazugepackt wurde zusätzlich die Landesgeschäftführerin der Jungliberalen.
  • In einer denkwürdigen Pressekonferenz versammelte sich praktisch die komplette Prominenz des so genannten bürgerlichen Lagers mit CDU- und FDP-Chef und den Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderates und kündigte nun ihr „Hilfe“ im OB-Wahlkampf an. Die Amtsinhaberin konnte hierbei auch nur noch schwerlich ihre Degradierung zur Marionetten verstecken, in dem sie sich in die Äußerung verstieg, sich nun „hundertprozentig auf ihren Wahlkampf zu konzentrieren“. Der scheint ja auch so plötzlich gekommen zu sein!
  • Plötzlich geschehen angebliche Wunder und Dinge um die fast schon mystisch geworden Westtangente, mit der seit über 30 Jahren (!) der Westen der Stadt vom überregionalen Verkehr entlastet werden soll. Geld gibt es für einen vollständigen Ausbau weiterhin keines, aber immerhin könnte man ja nun plötzlich doch die ersten Kilometer bauen, das Regierungspräsidium Karlsruhe prüfe.
  • In die nun hastig umgebaute Wahlkampfstrategie reiht sich nun eine Materialschlacht mit neuen Plakaten und Broschüren ein, inklusive neuem Kandidatenfoto und neuen markigen Sprüchen, deren heiße Nadel, mit der sie gestrickt wurden, unübersehbar ist. Originalzitat: „Für Pforzheim mache ich alles, nur keine leeren Versprechungen!“
  • Die Herren Stefan Mappus und Dr. Hans-Ulrich Rülke (FDP-Kreisvorsitzender und Landtagsabgeordneter) waren nach Aussagen von Informanten sogar bei Hausbesuchen anzutreffen, was für Landtagsabgeordnete außerhalb ihrer Wahlkämpfe schon zu eher kuriosen Erscheinungen zählen.

Ob diese überaus kuriosen Aktivitäten zu einer Aktivierung der konservativen Basis Pforzheims und damit vielleicht zum gewünschten Erfolg führen, darf mit gutem Gewissen bezweifelt werden. Denn einer der spektakulärsten Entscheidungen der CDU- und FDP-Fraktion des Pforzheimer Gemeinderates – den ersten Wahlgang der Oberbürgermeisterwahl auf den gleichen Termin wie die Kommunalwahl zu legen – hat sich zum Bumerang des konservativen Lagers entwickelt: Am vergangenen Sonntag verlor die CDU-Fraktion in der Kommunalwahl erdrutschartig einen zweistelligen Stimmenanteil und hat im Gemeinderat anstatt bisherigen 18 zukünftig nur noch 13 Sitze.

Kluge Politik der „Hellen Köpfe aus Pforzheim“ (Wahlkampfslogan aus der CDU-Kampagne zur Kommunalwahl) würde anders aussehen – wenn es eine gäbe.

Regionalkonferenz in Karlsruhe

Die Halle füllt sich stetig, die Genossen strömen hinein und werde gleich in der Regionalkonferenz in Karlsruhe mit Frank-Walter Steinmeier, Franz Müntefering, Martin Schulz, Ute Vogt, Heiko Maas, Florian Pronold, Hubertus Heil und Kajo Wasserhövel über das Parteiprogramm der SPD. Und natürlich gibt es auch wieder ein Stand der Projektgruppe Internet, die wir mit den wackeren Folks des Wahlkampf-09-Teams aus der Nordkurve teilen.

Und wir wollen mal anmerken, dass wir hier schon seit deutlich einstelligen Uhrzeiten stehen und aufbauen. :-D

Strammes Liedgut im CDU-Liederbuch.

Dass in der CDU Baden-Württemberg immer wieder einmal die Themenfelder Konservatismus und Nationalismus ineinanderfließen und seltsamste Feststellungen und Huldigungen zur Folge haben, hat leider schon Tradition. Da werden NS-Verbrecher mal gern zu Feinden des Nationalsozialismus erklärt und nach jeder Verfehlung, nach jedem kleinlaut herausgeknurrten Bedauern, denkt man, dass es eigentlich nicht noch schlimmer kommen kann. Aber es kann.

Da veröffentlicht die CDU Baden-Württemberg ein Liederbuch und verteilt es in einer Auflage von 2.000 Stück an CDU-Geschäftsstellen im Land. Zuerst mal eine hübsche Sache mit ehrlicher Tradition. Dort findet sich dann allerdings auch ein Lied namens „Ob’s stürmt oder schneit“, das im Volksmund „Panzerlied“ heißt und zur NS-Zeit gern gesungen wurde, da es unter anderem folgende Zeilen enthält:

„Voraus die Kameraden, im Kampf sind wir allein. So stoßen wir tief in die feindlichen Reih’n.“

und in einer weiteren Strophe, die wenigstens in der CDU-Fassung fehlt:

„Was gilt denn unser Leben für unsres Reiches Wehr? Für Deutschland zu sterben ist unsre höchste Ehr‘.“

Hübsche Sache. Und wie üblich merkt man sowas erst einmal gar nicht, dann erst unter Druck von darüber berichtenden Medien, dann ist es erst einmal Unkenntnis und dann wird der Schwanz eingezogen. Immerhin soll das Liederbuch in der Fassung nicht mehr produziert werden, bereits verteilte Liederbücher aber auch nicht zurückgezogen. Und dafür hat der CDU-BaWü-Generalsekretär auch eine sehr geschmackvolle Begründung:

„Wir lehnen Bücherverbrennungen ab.“

Solche Peinlichkeiten gehen irgendwie nur bei uns im Ländle. :-(

[via SWR]

Hotte braucht sie alle!

Ein Aprilscherz? Klar, würde ich an so einem Tage sagen. Allerdings: Wenn ich mir so manch peinliche Online-Aktion der CDU anschaue… das aufgekochte „teAM“-Paradigma, die völlig peinliche Website von Dieter-Barack Althaus-Obama… dann traue ich den Online-Strategen der CDU derzeit wirklich alles zu. Immerhin hat im Unterstützerblog Ronald Pofalla auch schon mal eine Telefonaktion angekündigt, mit der alle Wahlmänner angerufen und überzeugt werden sollen. ;-)

Na, schaut es euch selbst mal an: http://vote4horst.wordpress.com/

Das "teAM" ist wieder da.

Das hätten wir uns ja fast denken können, dass es schon beim Namen des CDU-Unterstützerteams für die Bundestagswahl an Kreativität klemmt. Mit „teAM Deutschland“ beweist man offensichtlich eine seltene Harmonie zwischen mäßigem Ideenreichtum und Festhalten an ollen Kamellen, den irgendwie gab es da doch schon mal etwas ähnliches. Ersteres die Team-Version aus dem Jahr 2005, letzteres die Version aus dem Jahre 2009:

"teAM Zukunft" aus dem CDU-Bundestagswahlkampf 2005 "teAM Deutschland" aus dem CDU-Bundestagswahlkampf 2005

Menschmenschmensch, ich dachte schon, da kommt jetzt der richtig dicke CDU-Hammer dieses Jahr, so lange, wie die CDU dem adäquaten Internet-Campaigning schon hinterherläuft. Dass es dabei nur aus der Zukunft wieder nach Deutschland geht und dann offensichtlich auch noch das Barack-Obama-Ei Pate für das Ding da rechts oben stehen musste – das hätte ich dann doch nicht erwartet.

Die Idee mit dem Versalien kann man andererseits auch ganz anders schön einsetzen:

No Ma'AM.

Sorry Folks, ich musste bei dieser Steilvorlage einfach den Ball einlochen. Peace. ;-)