Vor.. zurück.. vor.. zurück..

Eigentlich ja ziemlich albern, der Krampf, den Günther Oettinger seit Tagen da am laufenden Band produziert. Mal sei der verstorbene Hans Filbinger Widerstandskämpfer gewesen, dann mal wieder nicht, im Geiste aber dann doch irgendwie oder so. Mal relativiert er, mal lamentiert er, inzwischen entschuldigt er sich sogar, um im nächsten Satz gleich wieder zu relativieren. Was denn nun, Herr Oettinger?

Fast schon erbärmlicher ist das Fahrwasser, das Oettingers denkwürdigen Worte ausgelöst haben, beispielsweise folgende Aussage von Georg Brunnhuber, Chef der baden-württembergischen CDU-Landesgruppe im Bundestag, die man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen muss:

„Für unsere Anhängerschaft hat er einen ganz, ganz großen Schritt getan. Er hat ein Tor aufgestoßen: Das wird ein Großer.“

Au, au, au… „großer Schritt“ … „wird ein Großer“ … ich habe das dunkle Gefühl, dass in den letzten Tagen einige Politiker aus unserem Ländle, die wohlgemerkt in demokratisch gewählten Parlamenten sitzen und sich als Demkraten sehen, das große Leuchten in den Augen bekommen haben. Es wäre nur sauber, Herr Oettinger, wenn Sie diesen bräunlichen, stinkenden Mist, den Sie über unsere Region ausgeschüttet haben, freundlichst wieder zusammenkehren und zur geordneten Kompostierung bringen.

Es geht einigen Leuten bei uns definitiv zu gut. Erschreckend viel zu gut.

Filbinger – zum Letzten

we_summer.jpgJetzt ist er tot, der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg und er hat seine Schuld mit ins Grab genommen. So weit, so gut. Wenn die Trauerfeier ebenso schlicht gewesen wäre – der ehemalige MP hätte vielleicht schon wirklich die letzte Ruhe finden können. Aber da war ja dann noch der jetzige Ministerpräsident Günter Oettinger. Der will ihm diese Ruhe wohl nicht gönnen. Sondern seine Trauerfeier benutzen, um den rechten Rand in B-W abzugrasen.
Nachdem sich jetzt ja jede Menge Blogs um dieses Thema bemühen, wollte ich an dieser Stelle schweigen. Bis ich den GEA in die Hände bekam! Und dort ist am heutigen Freitag ein unsäglicher Kommentar zu lesen, nach dem Motto, alles nicht so schlimm gewesen, lasst doch den Günni in Ruhe!

Was hat also Günter Oettinger gesagt? Dieses hier:

„Anders als in einigen Nachrufen zu lesen, gilt es festzuhalten: Hans Filbinger war kein Nationalsozialist. Im Gegenteil: Er war ein Gegner des NS-Regimes. Allerdings konnte er sich den Zwängen des Regimes ebenso wenig entziehen wie Millionen Andere. Wenn wir als Nachgeborene über Soldaten von damals urteilen, dann dürfen wir nie vergessen: Die Menschen lebten damals unter einer brutalen und schlimmen Diktatur!“

Wie ist die Faktenlage? Oettinger hat Filbinger als Gegner des Regimes bezeichnet, der ja nur arm dran war und sich nicht wehren konnte. Ist Filbinger also in eine Reihe mit den Aktivisten der Weißen Rose oder den (zum Teil erzkonservativen) Attentätern vom 20. Juli zu stellen?

Eigentlich erübrigt sich diese Frage. Denn es ist unbestritten, dass Filbinger als Jurist für den Tod von Menschen verantwortlich war. Und er hat noch in britischer Kriegsgefangenenschaft ein Todesurteil leitend vollstreckt. Da ist jede Ausflucht falsch.

Oettinger sei gesagt: Wer solche Menschen mehr als reinwäscht, der macht sich moralisch kaputt. Er sollte sich in Zukunft hüten, zum Thema Verhalten von Mitmenschen auf moralische Maßstäbe abzuheben…

Meint

Sebastian Weigle