Das "Yo, isch kann”-Moment.

Thorsten Schäfer-Gümbel ist als Spitzenkandidat der hessischen SPD für die vorgezogene Landtagswahl im Januar auf einem, sagen wir mal so, nicht ganz unkomplexen Posten. Ob er ein talentierter Genosse ist oder nicht, wissen und interessiert nur wenige, denn er hat das viel schwierigere Problem, dass er als Underdog das ausbaden muss, was andere angerichtet haben.

Da ist das Designtagebuch auf folgende Grafikarbeit gekommen, die ich erst einmal technisch schön gemacht finde und deren Message einen sarkastischen Humor an den Tag legt, die mir persönlich gut gefällt:

Nun wundern sich einige Blogerianer, dass die SPD Marburg diese Grafik kommentarlos auf ihre Website gestellt hat und man die Selbstironie unpassend findet. Da muss ich mal kurz mein SPD-Parteibuch ausblenden und fragen: Warum eigentlich?

Die Analogie, die das Designtagebuch da rangesetzt hat, ist gar nicht so dumm, wenn man der SPD schon fehlenden Umgang mit Selbstironie vorwirft. Barack Obama, aus dessen Kampagne die Vorlage stammt, hat seine Kampagne zu einer Zeit begonnen, in der sich wirklich, aber auch wirklich niemand vorstellen konnte, dass der schwarze Senator aus Illinois irgendwann als US-Präsident im Weißen Haus landet. Der Wahlspruch „Yes, we can!“ begann dabei mehr oder weniger als krampfhaft zu gröhlende Selbstmotivation und landete später tatsächlich als Motto, eben nicht nur für die Kampagne, sondern für eine ganze Vision, die Obama vertrat.

Ich finde solche Wahlslogans nicht unproblematisch, denn sie verzerren und schaffen Visionen, denen man am Ende auch gern mal hinterherläuft, wenn man sie eine Zeitlang vertritt und nicht halten kann, weshalb man mit Wahlslogans nach der Wahl auch dementsprechend vorsichtig umzugehen hat.

Aber warum man der SPD keine Selbstironie unterstellen darf, das ist fragwürdig. So manch Kampagne anderer Parteien und so manch Parteiprogramm ist eine einzige Selbstironie in den Augen des jeweiligen Gegners, da kann es durchaus nicht schaden, Selbstironie auch mal öffentlich zu vertreten und auch dahinter zu stehen. Mit Stümperhaftigkeit hat das nämlich erst mal wenig zu tun. Stümperhaft wäre es, Selbstironie später als Versagen gegenüber der Vertrauenswürdigkeit zu entschuldigen. Und mit Verlaub – etwas mehr Selbstironie tut jeder Partei gut. Das muss man gelegentlich auch unseren Genossen mal sagen.