Feindbild Feminismus: Geschlechterkampf von rechts

Geschlechterpolitik hat mit Interessen und deren politischer Durchsetzung zu tun. Und auch in der Geschlechterpolitik sind diese Interessen nicht homogen. Die Trennlinie folgt nicht der einfachen Geschlechterdefinition: hier die Frauen, da die Männer. Das zeigen auch jüngst veröffentlichte Werke erfolgreicher Frauen – allen voran das der Frauen- und Familienministerin Kristina Schröder – die behaupten, Frauen brauchten keine Leitbilder mehr. Die Entscheidung um den Lebensentwurf von Frauen sei individuell und privat. Schluss also mit der feministischen Forderung, dass das Private politisch sei?

Bereits seit einiger Zeit ist wieder Bewegung in der Geschlechterdebatte: Auf der einen Seite kommt die dritte Welle des Feminismus ins Rollen, auf der anderen Seite mischen Männerrechtler und Antifeministen die Diskussion auf mit Thesen wie: „Das Projekt ‚Feminismus‘ kann zu den Akten, die Frauen haben die Männer längst überholt.“ Sie beklagen die Jungen als Bildungsverlierer und die Männer als Opfer der Wirtschaftskrise und leiten daraus die These von der strukturellen Benachteiligung der Männer ab. Ihre Forderung: das Ende aller staatlichen Gleichstellungspolitik in Form der „organisierten Besserstellung“ des weiblichen Geschlechts. Im Kampf um die Deutungshoheit über Rollenbilder, Geschlechterpolitik und Familienpolitik kreuzen sich alte und neue Konfliktlinien – und es ist noch nicht ausgemacht, welche Strömungen sich durchsetzen werden.

Fritz-Erler-Forum: Feindbild Feminismus: Geschlechterkampf von rechts: Dienstag, 17.7.2012, 18 Uhr, Waiblingen, Kulturhaus Schwanen; Online-Anmeldung