FES: „Blogger und lokale Online-Plattformen – der neue Lokaljournalismus?“

Termin: Mittwoch, 14.03.2012, 19.00 Uhr, Stadthalle Sindelfingen

Erfolgreiche Lokalblogs und Online-Plattformen sind vor allem dort angesiedelt wo Lokalzeitungen ein Monopol haben – im ländlichen Raum. Denn wenn es keine Pluralität in der Berichterstattung gibt, dann ist das Bedürfnis nach einer kritischen Gegenöffentlichkeit groß. Die Blogger werfen den Lokalzeitungen häufig ‚Hofberichterstattung‘ oder schlicht Belanglosigkeit vor. Das Internet bietet die ideale Plattform für die schnelle Artikulation von Gegenmeinungen. Es steht jedermann offen und hat potenziell eine große Reichweite. Doch welchen Mehrwert haben diese Webseiten für die Bürgerinnen und Bürger? Sind sie zuverlässige Informationsquelle oder doch eher ein Ort für Meinungsmache und gezielte Kampagnen? Wie regulieren sie sich, wie recherchieren sie und wie können sie redaktionelle Standards setzen? Sind sie die Form des neue Lokaljournalismus oder nur eine Ergänzung?

Es diskutieren:

  • Dr. Leif Kramp, Forschungskoordinator am Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung der Uni Bremen
  • Peter Friedrich, Minister für Bundesrat, Europa und internationale Angelegenheiten des Landes Baden-Württemberg
  • Dr. Jochen Wolf, Mitinitiator der Online-Plattform www.bruchsal.org
  • Edmund Langner, Redakteur Kultur, Szene und Internet der Kreiszeitung Böblinger Bote
  • Moderation: Monika Ermert

>> Online-Anmeldung <<

Open Access – staatlich geförderte Forschung muss für alle da sein

Unser Gastautor Lars Fischer ist Chemiker und Wissenschaftsjournalist in Heidelberg und arbeitet als Redakteur für das Online-Wissenschaftsmagazin spektrumdirekt. Außerdem schreibt er in seinem Fischblog regelmäßig über aktuelle Wissenschaftsthemen.

Archimedes von Syracus hat sich auch nicht still in seiner Schreibstube verschanzt, nachdem er in der Badewanne seinen Geistesblitz mit Volumen und spezifischem Gewicht hatte. Wie wir vom Chronisten Plutarch wissen, verlor er absolut keine Zeit, seine Mitbürger über seine Entdeckung in Kenntnis zu setzen. Heute rennen Wissenschaftler zwar nicht mehr nackt durch die Straßen, aber an der Schwelle zum 21. Jahrhundert kann die Öffentlichkeit wieder aus erster Hand am Strom der Entdeckungen teilhaben. Die wundertätige Formel heißt Open Access – wörtlich: Freier Zugang.

Die Basiseinheit der Wissenschaft, auf die sich heutzutage alles bezieht, ist die Publikation. Erst wenn ein Ergebnis nachvollziehbar beschrieben und dokumentiert ist, können sich andere Forscher überall auf der Welt darauf beziehen, es verwerfen oder erweitern. Bevor ein Artikel veröffentlicht wird, müssen mehrere Gutachter – selbst Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen des betreffenden Fachgebietes – ihn für gut befinden, dann erscheint er in Fachzeitschriften wie Nature oder Science oder so spezialisierten Titeln wie dem Journal of Inorganic and Nuclear Chemistry.

Ein teures Monopol

Dank dieses gewachsenen Verfahren haben diese Fachzeitschriften und ihre Verleger ein Monopol auf wissenschaftliche Veröffentlichungen, das sie sich von der Forschung, und damit der Allgemeinheit, doppelt bezahlen lassen: Einerseits verlangen sie von Wissenschaftlern Geld für die Veröffentlichung, gelegentlich auch zusätzliche Gebühren für farbige Abbildungen und dergleichen, auf der anderen Seite müssen Universitäten und Bibliotheken für die Abonnements dieser Fachzeitschriften bezahlen. Und da sie dazu gezwungen sind, können die Wissenschaftsverlage die Preise nach Belieben diktieren. Genau das tun sie, mit jährlichen Preisaufschlägen von gerne mal zweistelligen Prozentzahlen.

Ein willkürlich herausgegriffenen Beispiel für die Preisentwicklung wissenschaftlicher Zeitschriften. Einige Fachjournale kosten über 10.000 Euro im Jahr.
Ein willkürlich herausgegriffenen Beispiel für die Preisentwicklung wissenschaftlicher Zeitschriften. Einige Fachjournale kosten über 10.000 Euro im Jahr.

Selbst gut ausgestattete Bibliotheken können sich nicht mehr alle nötigen Zeitschriften leisten, mit allen Problemen, Verzögerungen und Einschränkungen die das für die Wissenschaftler der betreffenden Institutionen mit sich bringt. Für Forscher und Forscherinnen aus weniger entwickelten Ländern ist der Zugang zu unverzichtbarem Wissen oft unerschwinglich, und für den Normalbürger natürlich auch.

All das ist ein Skandal. Denn haben wir nicht für diese wissenschaftlichen Ergebnisse schon mal bezahlt? Schließlich werden Universitäten und Forschungsinstitute mit Steuergeldern ausgestattet und betrieben, und auch die Gehälter der Wissenschaftler zahlt die Allgemeinheit. Und dann bezahlen die Wissenschaftler dafür, dass fremde Zeitschriften die hart erarbeiteten Erkenntnisse abdrucken dürfen und zu guter Letzt muss die Allgemeinheit die von ihr bezahlten Forschungsergebnisse für enorme Beträge wieder freikaufen. Das derzeitige System hat zur Folge, dass der Staat doppelt für die Ergebnisse der von ihm finanzierten Forschung zahlt. Das Schönste an der Sache ist, dass die Wissenschaftler meist alle Rechte an ihren Texten und den darin enthaltenen Abbildungen verlieren – sie dürfen ihre eigene Arbeit nicht einmal mehr an Kollegen weitergeben.

Freie Forschung heißt auch: Freier Zugang

All diese Probleme und Absurditäten haben dazu geführt, dass in den letzten Jahren Open Access zu einem immer wichtigeren Thema in der Wissenschaft geworden ist. Die grundsätzliche Idee ist, dass wissenschaftliche Veröffentlichungen aus staatlich geförderter Forschung Allgemeingut sind und für die Allgemeinheit frei zugänglich sein sollen. Das kann auf vielerlei wegen erreicht werden, die alle in der einen oder anderen Weise schon beschritten werden. Es gibt inzwischen buchstäblich tausende Open-Access-Fachzeitschriften, deren Artikel man kostenlos einsehen und herunterladen kann, darunter so bedeutende wie PLoS Genetics mit einem Impact Factor von 9,532. Andere Varianten sehen lediglich vor, dass eine Publikation nach der Veröffentlichung und unter Umständen einer gewissen Frist von Autor oder Zeitschrift frei ins Internet gestellt wird. Eine angemessene Darstellung der komplexen und kontroversen Diskussion um die richtige Form und Umsetzung von Open Access ist in diesem Rahmen nicht mal ansatzweise möglich.

Inzwischen enthalten Verzeichnisse wie das DOAJ etwa 6000 frei zugängliche Fachzeitschriften - und täglich kommen neue hinzu.
Inzwischen enthalten Verzeichnisse wie das DOAJ etwa 6000 frei zugängliche Fachzeitschriften - und täglich kommen neue hinzu.

In der Wissenschaft selbst genießt die Idee des Open Access weithin große Zustimmung. Schon 2003 veröffentlichte eine große Gruppe von Forschungsorganisationen die Berliner Erklärung, die sich für freien Zugang zu Forschungsergebnissen ausspricht. In Deutschland unterstützen die Max-Planck-Gesellschaft, Fraunhofer, die Leibnitz-Gemeinschaft und viele andere Institutionen diese Idee.

Open Access ist aber keineswegs nur ein wissenschaftliches, sondern auch ein politisches Thema, nicht nur weil wir das Ganze ja bezahlen, sondern auch, weil der Zugang zu Bildung und Wissen eine Frage der Gerechtigkeit ist. Vor zwei Jahren habe ich deswegen eine Petition an den Deutschen Bundestag gerichtet, den kostenfreien Zugang zu öffentlich geförderten Forschungsergebnissen zu ermöglichen und zu fördern.

Open Access geht jeden an!

Das Echo war überwältigend. Obwohl das Thema sehr speziell ist, haben fast 24000 Unterstützer die Eingabe unterzeichnet, bundesweit erschien das Thema in Zeitungen, Radio und Online-Medien und auch mehrere Parteien bekundeten von Anfang an reges Interesse. Auch der Petitionsausschuss des Bundestags stellte in seinem Abschlussbericht fest, sie gehöre „zu den bisher am meisten beachteten öffentlichen Petitionen“. Das ist vielleicht die erstaunlichste Erkenntnis: Wie Wissenschaft betrieben wird und was mit ihren Ergebnissen passiert, ist vielen Bürgern ganz und gar nicht gleichgültig. Zugang zu Forschungsergebnissen, schrieb mir ein Unterstützer einmal, ist ein Gleichheitsrecht. Und das stimmt.

Besonders deutlich wird das, wenn man sich die Gründe anschaut, die gegen meine Petition ins Feld geführt wurden. Der Petitionsausschuss stellt im Abschlussbericht süffisant fest: „Als Argument haben diese Teilnehmer vorgetragen, dass nicht jeder Bürger wissenschaftliche Texte lesen wolle und die, die das wollten, würden zu den Besserverdienenden gehören und es sich somit leisten können, hierfür finanzielle Mittel aufzubringen.“ Mit anderen Worten: Nicht reich genug? Dann willst du das doch eh nicht wissen.

Das kann natürlich nicht sein, und hier ist die Politik gefragt. Zuerst einmal muss ein verbessertes Urheberrecht sicherstellen, dass die Wissenschaftler selbst die Früchte ihrer Arbeit in Zukunft wieder uneingeschränkt nutzen und verbreiten können. Außerdem muss der Gesetzgeber dem Umstand Rechnung tragen, dass Offenheit und Austausch Grundbedingung der Wissenschaft ist und Wissenschaftler Zugang zu allen wissenschaftlichen Ergebnissen brauchen, unabhängig von der finanziellen Ausstattung der lokalen Bibliothek. Und schließlich muss diese Offenheit auch für alle Bürger gelten, die ja nicht nur das finanzielle, sondern auch das kulturelle Fundament der Wissenschaft sind. Der Erfolg der Open-Access-Petition zeigt, dass die Wissensgesellschaft für weite Kreise der Bevölkerung gelebte Praxis ist, und es ist jetzt an der Politik, sie darin weiter zu bestärken.

Weitere Informationen sind auf der „Informationsplattform Open Access“ erhältlich.

Christian Ude über Politik und Journalismus

Ganz ausgezeichnet, was Christian Ude im Zeit Magazin schreibt:

Dieselben Magazine, die jahrelang so schwerfälligen Quatsch wie »Bürgerbeteiligung« und »Planfeststellungsverfahren« als Fortschrittsfeinde verurteilten und Chinas Commander Wu als Vorbild priesen, weil der ohne viel Federlesens Schneisen durch Stadt und Land geschlagen hat für seinen Hochgeschwindigkeitszug, erkennen jetzt im Angesicht von Stuttgart 21, dass man Bahnprojekte alle 15 Jahre zum Volksentscheid vorlegen muss, ehe irgendwann eine spätere Generation zur Realisierung schreiten darf. … Auch in der Politik. Plötzlich haben alle publizistischen Größen, die vor zwei Jahren noch bitterlich beklagten, dass die gesamte deutsche Politik keinen so weitsichtigen Visionär, keinen so kraftvollen Heilsbringer und Friedensfürsten und keinen so begnadeten Kommunikator wie Barack Obama hervorgebracht hat, irgendwie immer schon gewusst, dass dessen dilettantische Experimente böse enden würden.

Lesen!

Presseschau Landesparteitag in Karlsruhe

Bild: Landes-SPD hält an Stuttgart 21 fest

Bild: Vogt mit «Born to be Wild» verabschiedet

Stuttgarter Zeitung: SPD-Linke baut Macht aus

SZON: Die wichtigsten Beschlüsse des SPD-Parteitags

SZON: Linker Flügel stellt zwei SPD-Vize

Suedkurier: SPD-Chef Schmid: Linke nicht tabuisieren

Badische Zeitung: Der Vorsitzende Nils Schmid umarmt die SPD – und sie ihn

Süddeutsche Zeitung: Ute Vogt: „Ich habe einen typischen Frauenfehler gemacht“

SPON: Südwest-SPD wählt Nils Schmid zu neuem Chef

Stuttgarter Nachrichten: Der Hoffnungsträger liebt leise Töne

Schwäbisches Tagblatt Tübingen: Stehender Applaus für kämpferische Vogt

Tagesspiegel: Mit dem Segen der Basis in Südwest

"Social Media" beim Landesparteitag

Die SPD Baden-Württemberg hatte schon beim Landesparteitag in Singen im Februar die Zeichen der Zeit erkannt und „Social Media“ ganz selbstverständlich genutzt.

Beim kommenden Landesparteitag in Karlsruhe (27./28. November) wird erneut getwittert, gefacebookt, geflickert und gebloggt werden – einen Videostream wird es ebenfalls geben.

Hashtag: #spdbw

Twitter-Account: http://twitter.com/spdbawue

Twitterwall: http://twitterwallr.com/spdbw

Flickr: http://www.flickr.com/groups/spdbawue/pool

Facebook-Page: http://www.facebook.com/spdbw

Facebook-Event: http://www.facebook.com/event.php?eid=192445259047

Stream: -folgt-

Leistungsschutzrecht für Verlage? Zu den Vorschlägen der SPD-Medienkommission.

2846621384_3b386b6136Schwarz-Gelb scheint das ominöse „Leistungsschutzrecht für Verlage“ tatsächlich einführen zu wollen. Was damit genau gemeint ist, ist mir nicht so wirklich klar. Sollen Verlage in die Lage versetzt werden, Geld von Google und anderen Suchmaschinenbetreibern zu erpressen? Bedeutet dieses Leistungsschutzrecht, dass Zitate im Internet quasi unmöglich werden? Leider gibt es zu diesem Thema anscheinend keine neutralen Abhandlungen, nur Polemiken dafür oder dagegen. (Für Hinweise auf neutrale Abhandlungen bin ich dankbar. Eine Dissertation pro Leistungsschutzrecht ist leider noch nicht fertig.)

Spontan und instinktiv bin ich gegen dieses „Leistungsschutzrecht“, da ich der Überzeugung bin, dass die Verlage in den letzten Jahren schlicht und ergreifend nicht ihre Hausaufgaben gemacht haben – genau wie das Versandhaus Quelle. Leider fordert die SPD-Medienkommission, die beim Parteivorstand angesiedelt ist, neben einigen guten Dingen ebenfalls dieses seltsame „Leistungsschutzrecht“. (Die Junge Union ist übrigens dagegen – erstaunlich. Die müssen sich über „Mutti“ echt geärgert haben.)

Richtig ist: unabhängiger Journalismus ist für eine funktionierende Demokratie notwendig. Fraglich ist, ob die Vorschläge der SPD-Medienkommission die geeigneten Instrumente sind, um eine vielfältige Presselandschaft zu garantieren. Während gegen unabhängige (!) Stiftungen, „die beispielsweise investigativen Journalismus auf allen Ebenen (lokal, regional, national) sichern“ und „eine angemessene Vergütung (insbesondere vor dem Hintergrund sogenannter Buy-Out-Verträge) und soziale Absicherung von Journalistinnen und Journalisten“ nichts einzuwenden ist, ist das bei anderen Punkten nicht der Fall.

Für „die steuerliche Absetzbarkeit eines Tageszeitungsabonnements“ spricht wirklich überhaupt nichts: erstens ist unser Steuersystem kompliziert genug, das sollte man nicht noch weiter aufblähen, zweitens ist das nichts anderes als die indirekte Subvention von Printmedien. Was aber machen Verlage, deren Erzeugnisse ausschließlich online erscheinen? Pech gehabt?

Ebenso und aus den gleichen Gründen abzulehnen ist „ein möglichst flächendeckendes und verbindliches Zeitungsangebot für Schülerinnen und Schüler sowie Auszubildende in Kooperation mit den Zeitungsverlegerverbänden“. Wo liegt hier der Sinn? Junge Leute informieren sich online – bitte Realitäten anerkennen!

Kurz und gut: direkte und indirekte Subventionen von Verlagen sind abzulehnen. Eine unabhängige Presse ist wichtig für die Demokratie. Richtig. Aber: eine subventionierte Presse ist alles, aber nicht unabhängig: „Des Brot ich ess, des Lied ich sing.“

Bild: Alex Barth; Bearbeitung: Christian Soeder; Lizenz: CC-BY 2.0.

Die StudiVZ-Löscher und die SPD-Gruppe

Was gerade bei StudiVZ passiert, ist schlichtweg unglaublich: die Gruppe „SPD“, eine der größten und aktivsten politischen Gruppen, wird um den 9. Februar herum ohne jede Benachrichtigung einfach gelöscht. Von StudiVZ oder Holtzbrinck gibt es keinerlei Rückmeldung oder Begründung.

Die SPD-Gruppe wird daraufhin neu gegründet, im bitteren Bewusstsein, dass man eine Weile brauchen wird, um die ursprüngliche Mitgliederstärke wieder zu erreichen.

Dann vor wenigen Tagen der erneute Schock: auch die neu gegründete SPD-Gruppe wurde gelöscht, auch dieses Mal ohne Angabe von Gründen, ohne jegliche Benachrichtigung durch Administratoren oder den StudiVZ-Support.

Unter diesen Aspekten kann nur davon abgeraten werden, StudiVZ als Plattform für ernsthafte politische Diskussionen zu nutzen, wenn man nicht riskieren will, dass von einem Moment zum anderen alle Daten sang- und klanglos im Datennirvana verschwinden.